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Menstruationsschmerzen

Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Menstruationsschmerzen (Periodenschmerzen, Dysmenorrhoe): Schmerzen im Unterbauch während der Monatsblutung. Etwa 20 % aller Frauen leiden darunter; bei jungen Mädchen in der Pubertät ist sogar jedes zweite betroffen. Menstruationsschmerzen können in der Regel mit einfachen Mitteln bekämpft werden.

Leitbeschwerden

  • Ziehende, krampfartige Schmerzen im Unterbauch meist an den ersten beiden Blutungstagen
  • Leichte Schmerzen bereits kurz vor der Monatsblutung.

Wann zum Frauenarzt

In den nächsten Wochen, wenn

  • Die Schmerzen bei jeder Monatsblutung auftreten und so stark sind, dass der normale Tagesablauf beeinträchtigt wird
  • Gleichzeitig Störungen der Monatsblutung bestehen
  • Die Schmerzen plötzlich auftreten und die Monatsblutung bis dahin immer schmerzlos war.

Die Erkrankung

Bestehen die Menstruationsschmerzen schon seit der ersten Monatsblutung, spricht der Arzt von primärer Dysmenorrhoe. Die Schmerzen werden in diesem Fall durch krampfartiges Zusammenziehen (Kontraktion) der Gebärmutter verursacht, für das körpereigene Substanzen, die Prostaglandine, verantwortlich sind. Prostaglandine kommen außer in der Gebärmutterwand in fast allen Organen vor und können neben den Muskelkontraktionen auch Schmerzen auslösen. Im Normalfall verschwinden die Schmerzen bei primärer Dysmenorrhoe in den folgenden Zyklen.

Bei der sekundären Dysmenorrhoe treten die Schmerzen erst nach einigen Jahren auf, wenn vorher die Monatsblutung immer schmerzarm oder schmerzlos war. Hier können die Ursachen vielfältig sein und müssen ärztlich abgeklärt werden. Gutartige Gebärmuttertumoren wie Myome oder auch eine Endometriose können in diesen Fällen die Ursache sein.

Prinzipiell spielt auch die Psyche eine große Rolle bei der Schmerzentstehung. Stress, Sorgen oder das automatische Erwarten von Schmerzen, wenn auch die Freundin oder die Mutter daran leidet, können diese hervorrufen. Manchmal fühlen sich junge Mädchen noch unwohl und unsicher, was die Veränderungen in ihrem Körper angeht. Menstruationsschmerzen sind unter Umständen Ausdruck einer unbewussten Ablehnungshaltung gegenüber dem Erwachsenwerden.

Das macht der Arzt

Mit einer gynäkologischen Untersuchung und einem Ultraschall des Unterbauchs schließt der Arzt organische Ursachen wie Fehlbildungen, Myome der Gebärmutter oder eine Endometriose aus. Erhärtet sich der Verdacht auf Endometriose, ist eine Bauchspiegelung notwendig.

Sind organische Ursachen ausgeschlossen, verordnet der Arzt kurzfristig schmerzlindernde oder krampflösende Medikamente. Häufig lassen sich die Beschwerden aber auch mit Selbstbehandlungsmaßnahmen lindern. Auch die Einnahme der „Pille“ führt bei vielen Frauen zu einer leichteren und kürzeren Blutung und lässt die Schmerzen verschwinden.

Medikamente bei Menstruationsschmerzen.Ibuprofen (z. B. Dismenol®, Gyno-Neuralgin®, MENSOTON®, Urem®) hemmt die Prostaglandinproduktion und wirkt auf diese Weise schmerzlindernd. Naproxen (z. B. Dysmenalgit®, Naproxen gyn®) ist ebenfalls ein Prostaglandinhemmer, der gut verträglich ist. Butylscopolamin (Buscopan®) ist ein krampflösender Wirkstoff, der bei Menstruationsschmerzen ebenfalls hilft.
Auch Acetylsalicylsäure (z. B. Acesal®, Aspirin®) lindert zwar die Schmerzen, ist während der Menstruation aber nicht geeignet. Es wirkt gerinnungshemmend und kann deshalb den Blutverlust zusätzlich steigern.

Selbsthilfe

  • Wärmeanwendungen (Wärmflasche, erhitztes Dinkel- oder Kirschkernsäckchen, warme Umschläge) auf dem Unterbauch oder ein warmes Vollbad (z. B. mit Melisse, Kamille oder Bergamotte als Badezusatz) lösen Krämpfe und lindern Schmerzen.
  • Sex kann die Schmerzen dämpfen, zumindest wenn ein Orgasmus gelingt. Denn dann werden körpereigene Endorphine ausgeschüttet, opiatähnliche Stoffe, die zumindest für einen kurzen Zeitraum Schmerzlinderung bringen.

Sondertext: Verschieben der Menstruation

Komplementärmedizin

Die Pflanzenheilkunde empfiehlt Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus, z. B. Agnolyt®, Femicur®) zur längerfristigen Einnahme (4–6 Monate) sowie Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) und Gänsefingerkraut (Potentilla anserina) zur Stabilisierung des Hormonhaushalts. Die Präparate sind zwar rezeptfrei erhältlich, sollten jedoch besser erst nach Rücksprache mit dem Frauenarzt eingenommen werden.

Teemischungen aus Kamillenblüten (Matricaria recutita), Schneeballbaumrinde (Viburnum prunifolium) und Gänsefingerkraut (Potentilla anserina) wirken krampflösend; es wird empfohlen, einige Tage vor dem erwarteten Blutungsbeginn eine Teekur (bis zu drei Tassen täglich) zu beginnen.

TENS-Therapie. Die transkutane elektrische Nervenstimulation hat sich zur Behandlung von Menstruationsschmerzen bewährt. Wichtig ist, dass die elektrischen Impulse, die dem Körper zugeführt werden, eine ausreichend hohe Frequenz haben Quelle:[N06].

Akupunktur. Gegen Menstruationsschmerzen eingesetzt, ist die Akupunktur ebenfalls wirksam, schneidet im direkten Vergleich mit der TENS-Therapie aber etwas schlechter ab. Quelle:[N07]

Homöopathie. In der Homöopathie häufig eingesetzte Mittel sind Belladonna, Cimicifuga, Crocus, Ignatia, Lachesis, Pulsatilla, Sepia, Uzara und Zincum metallicum.

Vorsorge

Regelmäßige sportliche Bewegung fördert die Durchblutung, löst Verkrampfungen der Muskulatur und sorgt zudem für seelische Ausgeglichenheit. Darüber hinaus tragen spezielle gymnastische Übungen dazu bei, dass Menstruationsschmerzen weniger heftig auftreten.

Entspannungsverfahren wie Autogenes Training können krampfartige Schmerzen lindern und das eigene Schmerzempfinden ändern.

Orthomolekularmedizin. Manche Frauen sprechen auf die Einnahme von Magnesium an. Die Orthomolekularmedizin schreibt dem Spurenelement einen entspannenden Effekt auf die Gebärmutterschleimhaut und eine hemmende Wirkung auf die schmerzauslösende Prostaglandinproduktion zu. Welche Dosierung im Einzelfall geeignet ist, sollte mit dem behandelnden Gynäkologen abgestimmt werden. Gleiches gilt für Vitamin B1 – in einer Studie erwies sich die regelmäßige Einnahme von 100 mg täglich in einigen Fällen als erfolgreich. Dennoch sollten auch in diesem Fall Dosierung und Einnahme mit dem Arzt geklärt werden Quelle:[N05].


20.10.2009 | Von: Dr. med. Astrid Waskowiak, Dr. med. Arne Schäffler


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