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Pharma-Info: Rezeptpflichtige Medikamente zur Gewichtsreduktion
Die Therapie der Adipositas mit Appetitzüglern vom Amphetamintyp (z. B. Phenylpropanolamin) ist nicht nur wenig wirksam, sondern auch reich an Nebenwirkungen. Die Inhaltsstoffe Fenfluramin und Norpseudoephedrin wurden vom Markt genommen, weil sie unter anderem die Herzmuskulatur schrumpfen lassen. Trotzdem sind heute noch Appetitzügler vom Amphetamintyp auf dem Markt. So ist Phenylpropanolamin zum Beispiel in den Boxogetten® S enthalten. Und das zumindest kurzzeitig appetithemmend wirkende Ephedrin ist sogar ohne Rezept erhältlich, etwa in Vencipon® N (kombiniert mit einem Abführmittel!)
Während eine langfristige Wirkung zur Gewichtsreduktion bisher nicht nachgewiesen wurde, sind die Nebenwirkungen und das Suchtpotenzial von Appetitzüglern vom Amphetamintyp gravierend – wir raten von der Einnahme ab!
Ähnlich risikoreich wird Sibutramin (Reductil®) eingestuft, durch das – ähnlich wie bei modernen Antidepressiva – bestimmte Botenstoffe im Gehirn ansteigen (Sibutramin ist pharmakologisch ein SSRI, ein Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Herzrasen, Schlafstörungen und Mundtrockenheit sowie unklare Todesfälle haben dazu geführt, dass Reductil® in Europa vom Markt genommen wurde.
Auf einem anderen Wirkprinzip beruht der Lipasehemmer Orlistat (Xenical®), der im Prinzip eine Verdauungsstörung für Fett verursacht, indem er die fettabbauenden Enzyme im Darm hemmt. Dadurch werden etwa 30 % der zugeführten Fette nicht verarbeitet, sondern über den – oft öligen – Stuhlgang ausgeschieden. Dadurch kann es als unerwünschte Wirkung zu einem Mangel an fettlöslichen Vitaminen und einer Osteoporose kommen. Der Effekt ist eher moderat, bei Jugendlichen bringt Orlistat nicht mehr als ein Plazebo [253]. In niedriger Dosierung (60 mg pro Kapsel, z.B. Alli®) wurde deshalb die Rezeptpflicht abgeschafft, in der vollen Dosierung /120 mg) besteht sie weiter. Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen, Fettstühle oder öliger Stuhlgang sind aber auch in der rezeptfreien Dosierung zu erwarten.
2006 eingeführt wurde Rimonabant (Acomplia®). Studien bescheinigen dem Medikament zwar eine gute Wirkung (etwa 9 kg Gewichtsverlust im Jahr). Wegen häufiger und gravierender psychischer Nebenwirkungen wurde aber auch Rimonabant 2008 vom Markt genommen. Insbesondere traten Depressionen gehäuft auf.
