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gesundheit-heute.de » Krankheiten | Therapie » Psychische Erkrankungen » Essstörungen

Binge Eating



Häufigkeit

Binge Eating(Fresssucht, Fressanfälle): Regelmäßige Fressanfälle (binge = Fressgelage), bei denen Nahrungsmengen verschlungen werden, die deutlich größer sind als das, was andere Menschen unter gleichen Umständen in der gleichen Zeit essen würden. Bis zu 2 % der Bevölkerung sind betroffen, bei Übergewichtigen (BMI über 30) sogar 5 %. Etwa ein Drittel der Erkrankten sind Männer.

Leitbeschwerden

  • Häufige – bis zu mehrmals wöchentlich auftretende – Essattacken. Bevorzugt werden sehr fett- und zuckerreiche Speisen. Der Essanfall kann sich über mehrere Stunden hinziehen. Das Essen wird dabei nicht genossen, sondern als unkontrolliertes Hereinstopfen erlebt.
  • Nach der Essattacke fühlen sich die Betroffenen schlecht, leiden unter Ekel- und Schuldgefühlen und der Überbelastung des Stoffwechsels.
  • Zeitweilig versuchen die Betroffenen, ihre Nahrungsaufnahme extrem einzuschränken (Crashdiät, Nulldiät), was sie aber unweigerlich in neue Essattacken hineintreibt.
  • Anders als bei Bulimie unternehmen die Betroffenen wenig, um die Folgen des Überessens zu kompensieren: Sie treiben kaum Sport und erbrechen nicht. Oft sind sie deshalb stark übergewichtig.

Wann zum Arzt

Siehe Bulimie.

Die Erkrankung

Die Ursachen für das Binge Eating sind mit denen derMagersucht und der Bulimie vergleichbar. Man geht davon aus, dass die verschiedenen Essstörungen nur unterschiedliche Seiten ähnlicher psychischer, familiärer oder gesellschaftlicher Vorgeschichten sind. Sie alle stellen verzweifelte Lösungsversuche von persönlichen, inneren Konflikten dar.

„Normale“ Übergewichtige nehmen regelmäßig mehr Kalorien auf, als sie verbrauchen. Menschen, die unter Binge Eating leiden, erleben dagegen anfallsweise auftretende Essattacken. In den Phasen zwischen den Anfällen verzehren sie aber mehr oder weniger normale Nahrungsmengen. Nach den Essanfällen schämen sich die Erkrankten über ihren Kontrollverlust, das Selbstwertgefühl leidet. Als Folge der Essanfälle kommt es zu starkem Übergewicht mit allen psychischen und körperlichen gesundheitlichen Konsequenzen.

Das macht der Arzt oder Therapeut

Siehe Behandlung der Magersucht.

Therapieziel ist die Stärkung des Selbstwertgefühls der Betroffenen und eine einfühlsame Hilfestellung bei der Lösung ihrer Konflikte. In der Therapie sollen die Patienten außerdem ein gesundes Essverhalten erlernen.

Prognose und Selbsthilfe

Siehe Empflehlungen bei Bulimie.

Weiterführende Informationen

  • R. Göckel: Endlich frei vom Esszwang. 12 Beispiele, wie man die Esssucht überwinden kann. Kreuz, 2002. Fundiertes, seriöses, ermutigendes Buch.
  • S. Orbach: Antidiätbuch. Teil 1: Über die Psychologie der Dickleibigkeit, die Ursachen von Esssucht. Teil 2: Eine praktische Anleitung zur Überwindung von Esssucht. Frauenoffensive, 2001. Die Bücher der englischen Psychoanalytikerin gelten als Klassiker zum Thema, geschrieben aus einer feministischen Perspektive.

07.03.2008 | Von: Dr. med. Arne Schäffler


Diese Seite wurde zuletzt geändert am 06.04.2010 um 16:57