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Darmarterienverschluss und Angina abdominalis

Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Darmarterienverschluss (Mesenterialinfarkt): Verschluss einer oder mehrerer Darmarterien (Mesenterialgefäße) durch Blutgerinnsel aufgrund einer starken Gefäßverkalkung oder als Folge im Herzen gebildeter Blutgerinnsel, die sich lösen, in den Blutkreislauf gelangen und dann die Darmarterien verschließen.

Angina abdominalis (Angina intestinalis, Claudicatio abdominalis): Vorstufe des Darmarterienverschlusses (ähnlich zur Angina pectoris als Vorstufe des Herzinfarkts mit starken, plötzlich einsetzenden Bauchschmerzen nach dem Essen).

Vor allem ältere Menschen sind von diesen Durchblutungsstörungen der Darmarterien betroffen. Werden sie nicht rechtzeitig erkannt und operiert, sterben Darmschlingen ab und es kommt zum Durchbruch von Darminhalt in die Bauchhöhle mit lebensgefährlicher Bauchfellentzündung (Peritonitis).

Leitbeschwerden

  • Plötzlich auftretende starke Bauchschmerzen, die sich aber schlecht lokalisieren lassen, v. a. nach dem Essen
  • Starkes Krankheitsgefühl
  • Im späteren Stadium: verhärtete Bauchdecke mit starker Abwehrspannung, Herzrasen und Fieber.

Wann zum Arzt

Sofort zum Arzt oder ins Krankenhaus, wenn die geschilderten Symptome auftreten.

Die Erkrankung

Der Darm wird von den Mesenterialarterien mit Blut versorgt. Sind diese nicht mehr in der Lage, ihrer Aufgabe nachzukommen, da sie durch eine bestehende Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) verengt sind oder weil ein Thrombus oder eine Embolie sie blockiert, sterben die nicht mehr versorgten Darmbereiche ab. Die plötzliche Unterbrechung der Blutversorgung (akute Ischämie) äußert sich in plötzlich auftretenden starken Bauchschmerzen, die bis zum Schock führen können. Darauf folgt eine etwa 12 Stunden dauernde Phase, die der Arzt auch als stummes Intervall (fauler Friede) bezeichnet, in der die Schmerzen nachlassen. Der Darm erschlafft und die Erkrankung schreitet fort. Erst nach etwa 24 Stunden zeigt sich die Krankheit dann in ihrer vollen Schwere. Es entwickeln sich Anzeichen eines akuten Abdomens, die Darmgeräusche verschwinden, es kommt zu Blutvergiftung, Schock und Darmlähmung. Ganz ähnliche Symptome zeigen sich auch, wenn es zu einer Mesenterialvenenthrombose (Verschluss einer Darmvene durch ein Blutgerinnsel) kommt.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Der Verdacht einer Angina abdominalis und eines Darmarterienverschlusses lässt sich durch Ultraschall oder eine Röntgenaufnahme des Bauchraums erhärten. Beweisend aber sind Dopplersonografie und Angiografie. Wichtige Indizien sind ein starker Anstieg der weißen Blutkörperchen und des Laktats im Blut. Im EKG kann sich Vorhofflimmern als Ursache der Embolie zeigen.

Erfolgreiche Auflösung eines Darmarterienverschlussesmithilfe von Blutgerinnsel auflösenden Medikamenten (Thrombolyse). Links der Angiografiebefund vor der Therapie – der Röntgenkonstrastmittelfluss bricht plötzlich ab; das bedeutet, dass alle Darmabschnitte des Unterbauches nicht mehr durchblutet werden. Rechts die Kontrolle nach der Thrombolyse; die Darmarterie ist wieder eröffnet und durchgängig.

Behandlung. Kann der Arzt die Diagnose aufgrund der Symptome so rechtzeitig stellen, dass schon nach weniger als 6 Stunden die Behandlung beginnen kann, besteht die Hoffnung, dass der Darm noch nicht unwiderruflich geschädigt ist. Ziel der Behandlung ist die Beseitigung der Embolie (Thrombose). Dazu muss der Thrombus entfernt (Thrombektomie) oder durch Medikamente aufgelöst werden (Thrombolyse). Oft gelingt dies jedoch nicht, so dass die nicht mehr durchbluteten Darmschlingen in einer Operation entfernt werden müssen. Die Sterblichkeit bei Notoperationen liegt bei über 50 %. Die Prognose hängt stark von der Zeitdauer bis zur Operation ab.


Von: Dr. med. Arne Schäffler, Dr. Bernadette Andre-Wallis | zuletzt geändert am 27.04.2016 um 17:53


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