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Darmdivertikel und Divertikulitis

Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Darmdivertikel (Divertikulose): Ausstülpungen der Dickdarmschleimhaut nach außen – am häufigsten im S-förmigen Dickdarm (Sigma-Kolon) gelegen. Ursache ist meist eine Kombination aus ballaststoffarmer Ernährung mit Neigung zur Verstopfung sowie zunehmende Bindegewebsschwäche im höheren Lebensalter: Mehr als die Hälfte der 80-Jährigen weisen symptomlose Divertikel auf. Bei 20 % der Betroffenen kommt es zur Entzündung eines oder mehrerer Divertikel, der Divertikulitis (Divertikelkrankheit).

Der Arzt nennt die hier besprochenen Darmdivertikel des höheren Lebensalters auch falsche Darmdivertikel, weil sich hier nur die Darmschleimhaut ausstülpt, und grenzt sie ab gegenüber den echten oder angeborenen Darmdivertikeln, wo die gesamte Darmwand ausgestülpt ist. Letztere sind selten.

Leitbeschwerden

Darmdivertikel:

  • Meist keine Symptome (80 %)
  • Oft chronische Verstopfung.

Divertikulitis:

  • Krampfartige Schmerzen im linken Unterbauch („Linksappendizitis“) oder im rechten Unterbauch (Symptome einer Blinddarmentzündung)
  • Gelegentlich Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung, Blähungen
  • Leichtes Fieber.

Die Erkrankung

Einen schweren Fall von Darmdivertikeln sieht man in der Doppelkontrastaufnahme links. Zahlreiche tropfenförmige Divertikel sind im aufsteigenden Kolon sichtbar (gelber Pfeil), im querverlaufenden Kolon (grüner Pfeil) und im absteigenden Kolon. Die Entzündungsprozesse haben den Darm hochgradig verengt, was beim betroffenen Patienten zu schweren Verdauungsstörungen führte. Das rechte Bild zeigt drei napfförmige Divertikel in der Darmspiegelung.

Darmdivertikel entstehen als Folge einer Schwäche des Dickdarmbindegewebes und eines erhöhten Drucks im Innern des Darms. Vor allem dort, wo die Gefäße (Arterien und Venen) durch die Darmwand treten, drückt sich die Darmwand durch die Muskelschicht hindurch nach außen. Besonders häufig sind die beiden letzten Dickdarmabschnitte, das absteigende Kolon und das S-förmige Kolon (Sigma-Kolon) betroffen, weil hier der Druck durch den gesammelten Stuhl am größten ist.

In den Ausstülpungen der Darmwand sammelt sich Stuhl zusammen mit Bakterien; dies führt früher oder später zu einer Entzündung der Darmwand (Divertikulitis). Die Betroffenen klagen über krampfartige Schmerzen im linken Unterbauch, vor allem nach dem Essen. Dies nehmen viele Patienten über Jahre hin – nicht aber die weiteren Komplikationen, die sich daraus entwickeln können.

Entzünden sich in der Nähe des Blinddarms gelegene Divertikel, treten Schmerzen im rechten Unter- oder Mittelbauch auf, die den Beschwerden einer akuten Blinddarmentzündung gleichen können. Manchmal bilden sich auch Fisteln oder es kommt zu Blutungen. Weiter kann ein örtlich begrenzter Wanddurchbruch des Darms mit lokaler Eiteransammlung (Abszess) entstehen oder ein freier Durchbruch mit einer nachfolgenden lebensbedrohlichen Entzündung des Bauchfells (Peritonitis). Bestehen Fisteln, Abszesse oder ein Durchbruch spricht man von einer akuten komplizierten Divertikulitis. Eine chronische Divertikulitis liegt vor, wenn wiederholt Entzündungsschübe auftreten, bei denen Komplikationen wie eine Stenose oder Fisteln drohen.

Schließlich können die entzündeten Divertikel auch den Darm stark einengen und einen Darmverschluss auslösen.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Treten bei älteren Menschen Schmerzen im linken (oder seltener auch im rechten) Unterbauch auf, kann der Arzt zugrunde liegende entzündete Divertikel eventuell bereits mithilfe eines Bauchultraschalls erkennen. Reicht der Ultraschall zur Diagnose nicht aus, ist ein CT (oder Kernspin) nach rektaler Gabe eines wasserlöslichen Kontrastmittels die sicherste Nachweismethode. Nach Behandlung und Abklingen der akuten Entzündung ist jedoch eine Darmspiegelung unumgänglich, um weitere krankhafte Darmveränderungen, wie z. B. Polypen oder Darmkrebs, auszuschließen. Während der Akutphase ist die Darmspiegelung aufgrund des Risikos eines Darmwanddurchbruchs zu gefährlich.

Therapie. Eine Divertikulose erfordert keine Behandlung. Dagegen sollte die Behandlung der Divertikulitis in der Klinik erfolgen, wenn ein Entzündungsschub zum ersten Mal auftritt. Bei schweren Formen ist eine stationäre Behandlung mit Antibiotikagabe notwendig. Bei einem Darmwanddurchbruch (Darmperforation) wird sofort, bei einer Einengung des Dickdarms sowie bei Fistelbildung eventuell erst nach Abklingen der Entzündung operiert. Auch bei immer wiederkehrender Divertikulitis wird der Arzt eine Operation empfehlen.

Eine leichte Divertikulitis kann auch ambulant mit ballaststoffarmer Kost behandelt werden. Bei Begleiterkrankungen oder allgemeiner Abwehrschwäche ist zusätzlich eine Antibiotikagabe, mindestens aber engmaschige Kontrollen des Patienten, angezeigt. Krampflösende Mittel lindern die Schmerzen. Bei Abführmitteln und Einläufen ist Vorsicht geboten, da es bei schwerer Divertikulitis zu einem Darmwanddurchbruch kommen kann.

Selbsthilfe

Bereits vorhandene Divertikel können nicht rückgängig gemacht werden. Bereiten die Darmausstülpungen keine Beschwerden, sollten Betroffene sich ballaststoffreich ernähren und dem Körper viel Flüssigkeit zuführen. Dies und zusätzliche körperliche Bewegung auch im Alter sowie die Beachtung des Reizes zur Darmentleerung können dazu beitragen, dass keine neuen Divertikel entstehen.

Lässt sich eine chronische Verstopfung mit diesen Maßnahmen nicht beheben, kann der Einsatz von Weizenkleie, Leinsamen oder Flohsamen, die mit viel Flüssigkeit verzehrt werden, und gegebenenfalls auch Laktulose zu einem weicheren, gleitfähigeren Stuhl führen und die Darmentleerung erleichtern.

Bei einer leichten Diverkulitis indes empfiehlt es sich, auf Ballaststoffe eher zu verzichten, weil diese die Beschwerden verstärken können.


Von: Dr. med. Arne Schäffler | zuletzt geändert am 27.04.2016 um 18:38


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