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Grippe

Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Grippe (Influenza, „echte“ Grippe): Infektion, hervorgerufen durch das Influenzavirus (Myxovirus influenzae) A, B oder C (mit zahlreichen Subtypen). In 80 % der Fälle zeigen sich keine oder nur leichte Erkältungsbeschwerden. Ansonsten beginnt eine „echte“ Grippe plötzlich und heftig mit hohem Fieber, ausgeprägtem Krankheitsgefühl, Kopf- und Gliederschmerzen, Schnupfen, Halsschmerzen und trockenem Husten. Gefährlich ist die Grippe für Personen mit geschwächtem Immunsystem, für ältere Menschen und Patienten mit Vorerkrankungen. Sie machen das Gros der jährlichen 5 000–8 000 Grippetodesfälle in Deutschland aus.

Leitbeschwerden

  • Plötzlicher Krankheitsbeginn mit Frösteln
  • Rasch auftretendes Fieber (über 38,5 °C)
  • Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen
  • Müdigkeit, starkes Krankheitsgefühl
  • Husten mit keinem oder wenig Auswurf
  • Manchmal Schnupfen, Halsschmerzen.

Wann zum Arzt

Am selben Tag, wenn das hohe Fieber länger als 2–3 Tage anhält oder nach Abfall der Temperatur erneut ansteigt (bakterielle Zweitinfektion).

Die Erkrankung

Influenzaviren werden hauptsächlich beim Husten, Niesen oder Sprechen freigesetzt und von anderen Menschen eingeatmet. Ansteckend ist Grippe schon 24 Stunden vor Auftreten der Beschwerden und bleibt es fünf bis sieben Tage nach Erkrankungsbeginn. Das klinische Bild einer Influenzaerkrankung reicht von unbemerkter Infektion bis zu einem schwersten Verlauf mit tödlichem Ausgang. 1–3 Tage nach Ansteckung treten die klassischen Beschwerden der Grippe auf: plötzlicher Beginn mit hohem Fieber (mehr als 38,5 °C), Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, zunächst trocken-schmerzhafter Husten, Schnupfen und starkes Krankheitsgefühl. Neben den geschilderten Beschwerden können auch Halsschmerzen, Lichtscheu oder Bindehautentzündungen auftreten. Das Fieber hält meist 2–3 Tage an. (Wenn es nach Temperaturabfall erneut ansteigt, kann eine zusätzliche Infektion mit anderen Erregern – meist Bakterien – vorliegen.)

Gefährliche Komplikationen sind die Influenzapneumonie (Grippelungenentzündung) und Entzündungen des Herzmuskels oder des Gehirns, die sogar tödlich enden können. Ausgedehnte Schädigungen der Schleimhäute durch die Viren führen teilweise zu zusätzlichen bakteriellen Lungenentzündungen. Der infektbedingte Blutdruckabfall kann vor allem beim Aufstehen zu Schwindel und Schwarzwerden vor Augen führen. Nach einer Grippe halten die Müdigkeit und Schwäche zum Teil wochenlang an; die Genesung ist typischerweise verzögert. Komplikationen können auch bei sonst gesunden Erwachsenen auftreten, betreffen aber vor allem Menschen mit Grundkrankheiten wie chronischen Herz- oder Lungenerkrankungen, Diabetes, Immundefekten sowie Kinder bis 4 Jahre oder Erwachsene über 65 Jahre.

Das macht der Arzt

Während einer Grippewelle fällt dem Arzt die Diagnose durch die typischen Grippebeschwerden mit plötzlichem Erkrankungsbeginn, Schüttelfrost, hohem Fieber, trockenem Husten, Muskel- und Kopfschmerzen sehr leicht. Mit dem Influenza-Schnelltest kann aus Nasensekret und aus Abstrichen der Rachenschleimhaut die Diagnose gesichert werden. Dies kommt insbesondere bei diagnostischer Unsicherheit oder vor einer geplanten antiviralen Therapie infrage. Röntgenaufnahmen werden bei Verdacht auf Lungenentzündung angefertigt.

Bei einem unkomplizierten Verlauf bei ansonsten gesunden Erwachsenen reicht es, die Beschwerden zu lindern (Schmerzmittel, eventuell Fiebersenkung) und auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Bei schlechtem Allgemeinzustand wird die Behandlung im Krankenhaus notwendig. Kommt es zusätzlich zu einer bakteriellen Zweitinfektion, werden Antibiotika zur Behandlung eingesetzt. Ein vorbeugender Einsatz von Antibiotika kann bei Risikopatienten (z. B. immungeschwächten Menschen) sinnvoll sein, um eine bakterielle Zweitinfektion zu verhindern.

Medikamentöse Therapie. Als Medikamente, die speziell gegen das Influenza-Virus wirken, kann der Arzt Neuraminidasehemmer (Zanamivir, z. B. Relenza®, und Oseltamivir, z. B. Tamiflu®) verschreiben, die gleichwertig sind und entweder als Kapsel oder Lösung (Oseltamivir) oder als Inhalation (Zanamivir) verabreicht werden.

Wenn Neuraminidasehemmer bis spätestens 48 Stunden nach Krankheitsbeginn eingenommen werden, können sie die Dauer der Grippe bei zuvor gesunden Erwachsenen um etwa einen Tag verkürzen. Dieser Effekt ist aber genauso wie ein weiterer, nämlich die Verhütung von Komplikationen der unteren Atemwege wie die erwähnte Influenzapneumonie, umstritten. Bei Kindern sind Neuramidasehemmer leider nur wenig wirksam (die Gründe sind unbekannt). Eine aktuelle Studie weist darauf hin, dass bei Patienten Neuramidasehemmer auch dann die Virus-Ausscheidung senken, wenn die Einnahme erst am dritten Tag nach Auftreten der Symptome begonnen wird.

Nebenwirkungen von Neuraminidasehemmern sind Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen, gelegentlich grippeähnliche Symptome oder asthmatische Beschwerden. Sehr selten treten allergische Reaktionen, Leberfunktionsstörungen oder neurologische Störungen (Schlaflosigkeit, Nervosität) auf.

Selbsthilfe und Komplementärmedizin

Symptomatische Maßnahmen. Zur Behandlung einer Grippe dienen auch symptomatische Maßnahmen. (Bett-) Ruhe, frische Luft im Schlafzimmer und abgedunkelte Fenster machen die Situation erträglicher. Es ist wichtig, genügend zu trinken, d. h. mindestens 2 l pro Tag. Viele Leute kennen ein eigenes „Erkältungsgetränk“, auf das sie schwören: z. B. heiße Milch mit Honig, Erkältungstee, heißes Zitronenwasser, heißer Holunderbeersaft, mit Wasser aufgebrühter frischer Ingwer oder auch heiße Bouillon. Darüber hinaus feuchten Dampfinhalationen die Schleimhäute an und helfen beim Abhusten von Sekret. Alternativ kann man versuchen, mit einer Salzwasserlösung (½ TL Kochsalz auf 1 große Tasse warmes Wasser) den Schleim in der Nase zu lösen, wodurch die Nasenatmung erleichtert wird (weitere Tipps bei der akuten Bronchitis).

Je nachdem, wie quälend die Beschwerden sind, können auch Medikamente, z. B. zum Dämpfen des Hustens oder zum Abschwellen der Schleimhäute eingesetzt werden. Nasentropfen und -sprays lassen die Nasenschleimhaut abschwellen, wodurch Nase und Nasennebenhöhlen besser durchlüftet werden. Auf diese Weise lässt sich das Risiko einer Nasennebenhöhlenentzündung verringern. Allerdings sollten abschwellende Präparate  nicht länger als sieben Tage angewendet werden. Sonst droht die Nasenschleimhaut auszutrocknen und die Nase chronisch zu verstopfen.

Leichte Schmerzmittel wie Paracetamol (z. B. Benuron®), Acetylsalicylsäure (z. B. Aspirin®) oder Ibuprofen lindern Kopf- und Gliederschmerzen und fördern – vor dem Einschlafen genommen – die Nachtruhe. Viel Schlaf und, nach Besserung des Befindens, Spaziergänge an der frischen Luft unterstützen die Genesung.

Nahrungsergänzungsmittel. Erkältungen sind nach aktuellen Forschungsergebnissen von einem niedrigen Zinkspiegel begleitet, wenn der Betroffene sich vegetarisch oder einseitig ernährt oder unter einer chronischen Darmerkrankung leidet (ob ein Zinkmangel generell besteht, ist dagegen umstritten). Diese Beobachtungen weisen darauf hin, dass bei Erkältungen Zink verbraucht wird und ein erhöhter Bedarf besteht. Eine aktuelle Auswertung mehrerer Studien hat gezeigt, dass die Einnahme von Zink die Schwere von Erkältungskrankheiten verringert und die Dauer der Symptome um 3–4 Tage verkürzt. Auch Grippe können Zinkpräparate vorbeugen. Noch ist allerdings unklar, in welcher Dosis Zink am besten wirkt und wie lange es eingenommen werden sollte. Eine aktuelle Untersuchung legt nahe, dass mehr als 75 mg Zinkacetat pro Tag einen krankheitsverkürzenden Effekt erzielen. Diese Dosis verringerte bei den Studienteilnehmern die Erkältungszeit um fast die Hälfte. Mit anderen Zinksalzen und ebenfalls einer Tagesdosis von über 75 mg verkürzte  sich die Krankheitsdauer um 20 Prozent. Weniger als 75 mg erzielten hingegen keinen Effekt.

Möglicherweise wirkt sich auch eine „Stoßtherapie“ mit Vitamin C (1 000 mg pro Tag) günstig auf den Krankheitsverlauf aus, was aber ebenfalls umstritten ist.

Wechselfußbäder können den Genesungsprozess unterstützen. Beide Füße werden zweimal hintereinander abwechselnd in eine Wanne mit warmem Wasser und kaltem Wasser getaucht, anschließend ziehen Sie warme Wollsocken an.

Inhalieren. Sinnvoll sind auch Dampfinhalationen mit Zusätzen von Kochsalz (ein Esslöffel Salz auf einen Liter heißes Wasser) oder ätherischen Ölen.

Ergänzend kann man 2–3 Tropfen Eukalyptusöl in ein Taschentuch träufeln und dann immer wieder daran riechen; bei stark verstopfter Nase reicht diese Maßnahme allerdings nicht aus.

Schleimlösen. Bei Sekretstau empfiehlt die Naturheilkunde Präparate zur Schleimlösung (z. B. Gelomyrtol®). Myrtol ist ein ätherisches Öl, das u. a. aus je 25 % Limonen und Cineol (dem Hauptbestandteil des Eukalyptusöls) besteht. Seine Wirksamkeit bei Bronchitis und akuter Nebenhöhlenentzündung wurde in zwei Studien bestätigt. Eukalyptusöl gibt es auch in Form von Kapseln (z. B. Aspecton® Eukaps). Es wird schnell in den Blutkreislauf aufgenommen und zu den Atemwegen transportiert, wo es dann zur Erleichterung der Nasenatmung beiträgt. Eine weitere Alternative ist Thymian, das die Sekretabgabe in den Bronchien anregt und die Flimmerhärchen in den Atemwege aktiviert. Außerdem wirkt Thymian auch krampflösend, was den Hustenreiz lindert.

Ätherische Öle dürfen nicht im Gesichtsbereich von Säuglingen und Kleinkindern angewendet werden. Dies betrifft besonders Präparate, die Eukalyptusöl, Menthol und Kampfer enthalten.

Ist das Krankheitsgefühl ausgeprägt, empfiehlt die Phytomedizin die frühzeitige Anwendung von Angocin Anti-Infekt®, das Extrakte von Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel enthält. Bei diesen Inhaltsstoffen handelt es sich um Senfölglukoside. Sie wirken ähnlich gut wie Standard-Antibiotika. Im Vergleich zu Antibiotika verursachen Senfölglukoside aber deutlich weniger Nebenwirkungen und sind daher besser verträglich.

Populär ist die Einnahme von Präparaten aus Sonnenhut (Echinacea purpurea, z. B. Echinacea-ratiopharm® Liquid oder Echinacin®) zur Vorbeugung und Behandlung von Schnupfen. Der Wirkstoff soll die Aktivität des Immunsystems anregen. Inzwischen ist eine moderate Wirkung relativ sicher belegt.

Vorbeugung

Zur Vorbeugung wird die jährliche Grippeschutzimpfung empfohlen, die vorzugsweise im Oktober stattfinden sollte. Im Falle einer drohenden Epidemie kann die Impfung auch noch später nachgeholt werden. Die Impfung verhindert den Ausbruch der Erkrankung bei gesunden Menschen zu 75–80 %.

Die ständige Impfkommission STIKO empfiehlt die Grippeschutzimpfung:

  • Personen über 60
  • Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit chronischen Krankheiten von Herz, Lunge, Leber, Niere, Diabetes oder Immundefekten
  • Schwangeren
  • Medizinischem Personal
  • Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr
  • Allen Personen, wenn eine Epidemie droht oder eine neue Erregervariante zu erwarten ist und der Impfstoff die neue Variante enthält.

Einer aktuellen Studie zufolge schützt die Grippe-Impfung auch vor einem Herzinfarkt. Davon profitieren sowohl Herzpatienten als auch Gesunde. Demnach sank bei geimpften Personen über 40 Jahren das Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden um 20 Prozent.

Als weitere Vorsorgemaßnahme sollten ungeimpfte Personen kleinen Kindern, Schwangeren, Grippekranken und Abwehrgeschwächten fernbleiben, also deren Nähe und erst Recht den Hände- und Hautkontakt strikt meiden.

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Grippeimpfung.

Für Kinder zwischen 2 und 6 Jahren steht eine nasale Impfung zur Verfügung. Dabei wird ein Lebendimpfstoff in die Nase gesprüht und über die Schleimhaut aufgenommen. Die Wirksamkeit ist laut Studien sogar höher als bei der intramuskulären Verabreichung.


Von: Kristine Raether-Buscham; Dr. med. Arne Schäffler | zuletzt geändert am 11.11.2016 um 14:05


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