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Infektionsneigung

Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Weniger als 1 % der Kinder leidet unter krankhafter Infektionsneigung durch eine angeborene oder erworbene Immunschwäche (Immundefekt). Solche Kinder fallen nicht nur durch sehr häufige Infektionen auf, sondern v. a. durch besonders langwierige und schwerwiegende Verläufe, z. B. Abszessbildungen an der Haut. Häufig findet der Arzt ungewöhnliche Erreger als Ursache, z. B. Pilze.

Auch wenn oft Ernährungsstörungen, Immunschwäche oder Schlimmeres dahinter vermutet wird: Meist steckt hinter einer von Eltern beklagten Infektionsneigung nichts Krankhaftes. Im Gegenteil: Das Kleinkind kann als ein Wesen mit „natürlicher Infektionsneigung“ beschrieben werden. Denn „ohne Fleiß kein Preis“ ist die Devise des Immunsystems – es kann nur dann leistungsfähig werden, wenn es die wichtigsten Erreger nach und nach „durchmacht“. Dieses Training beginnt gegen Ende des ersten Lebensjahrs, wenn der natürliche Schutz durch die mütterlichen Antikörper (Nestschutz) abfällt. Ab jetzt sind bis zum Schulalter etwa 6–8 Infektionen (im 2. Lebensjahr sogar 8–12) pro Jahr normal. Nichtgestillte Kinder sowie Kinder rauchender Eltern haben statistisch mehr Infektionen, vor allem Mittelohrentzündungen, als ihre gestillten, nicht-mitrauchenden Altersgenossen. Auch Kinder in großen Familien oder Kleinkinder, die Kinderbetreuungseinrichtungen besuchen, schlagen sich häufiger mit „eingeschleppten“ Infekten herum.

Die „ewigen“ Rotznasen und häufigen Erkältungen der Kleinkinder; sie sind ganz normal und haben mit krankhafter Infektionsneigung nichts zu tun.

Häufige Infektionen entstehen manchmal auch im Rahmen bestimmter Organkrankheiten. So neigen z. B. Kinder mit einer schweren Refluxkrankheit immer wieder unter Bronchitis und haben auch häufiger Mittelohrentzündungen. Auch Kinder mit schlecht behandeltem Asthma sind häufiger krank, sie können wegen der verengten Bronchien ihre Luftwege schlechter „sauber halten“ und neigen deshalb zu immer wiederkehrenden Infektionen der Bronchien. Bei Kindern mit einer Abflussstörung an den Harnwegen (vesikorenaler Reflux) häufen sich Harnwegsinfekte. Hat ein Kind also immer wieder „Probleme an der gleichen Stelle“, ist eine Suche nach eventuell zugrunde liegenden Störungen empfehlenswert.

Das macht der Arzt

Die meisten Kinder mit „Infektneigung“ sind gesund, d. h. ihr Immunsystem funktioniert völlig normal. Im späten Kindergartenalter klingen die häufigen Infekte von selber ab. Alles, was Eltern hier tun können, ist, den Kindern einen gesunden Rahmen zu bieten: gesunde Ernährung, genügend Auslauf und Schlaf und die sonstigen Freuden des Lebens. Zigarettenrauchen muss den Kindern zuliebe eingestellt werden.

Abhärtungsmethoden wie Kneipp-Güsse oder Wechselduschen können unterstützend wirken, Regengüsse oder Spielen im Freien sind genauso gut.

Vermutet der Arzt eine krankhafte Infektionsneigung, so prüft er durch Blutuntersuchungen die wichtigsten Funktionen des Immunsystems und überweist das Kind möglicherweise an einen Spezialisten.

Leiden Säuglinge oder Kleinkinder an Fieber unbekannter Herkunft oder akuten Ateminfektionen, sind in den meisten Fällen Viren verantwortlich. Da bakterielle Infektionen in dieser Altersgruppe jedoch oft schwer verlaufen, wird bei unbekanntem Erreger häufig eine vorsorgliche Antibiotikabehandlung eingeleitet. 2016 erhielt ein neuer Schnelltest (ImmunoXpert™) zum Erregerausschluss die Zulassung in der EU. Der Test soll die Therapieentscheidung verbessern und einer Übertherapie mit Antibiotika entgegenwirken. Ermittelt wird, ob eine Erhöhung bestimmter Entzündungsmarker (CRP, TRAIL und IP-10) vorliegt. Ein negatives Testergebnis für CRP spricht gegen eine bakterielle Infektion. Es bedarf jedoch noch weiterer Forschung, um den Aussagewert des neuen Schnelltests im klinischen Alltag zu bestätigen.


Von: Dr. med. Herbert Renz-Polster | zuletzt geändert am 02.06.2017 um 10:18


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