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Otosklerose

Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Otosklerose (Otospongiose): Versteifung der Gehörknöchelchen, v. a. des Steigbügels am Übergang zum Innenohr. Infolge einer örtlich begrenzten Mineralstoffwechselstörung kommt es zur Verknöcherung und zunehmenden Unbeweglichkeit der Gehörknöchelchenkette. Das Hörvermögen verschlechtert sich durch die Schallleitungsschwerhörigkeit sukzessive bis hin zur Ertaubung, falls nicht rechtzeitig operiert wird.

Bei jedem Hundertsten lassen sich Verknöcherungen nachweisen, ein Großteil der Betroffenen verspürt jedoch nie die typischen Beschwerden.

Leitbeschwerden

  • Langsam zunehmende Schwerhörigkeit (anfangs einseitig)
  • Häufig Tinnitus, seltener Schwindel.

Die Erkrankung

Die Otosklerose beginnt meist auf einem Ohr mit einer langsam zunehmenden Schwerhörigkeit, später sind in etwa 70 % aller Fälle beide Ohren betroffen, jedoch meist unterschiedlich stark. Die Krankheit macht sich am häufigsten zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr bemerkbar und betrifft etwa doppelt so viele Frauen wie Männer. Die genauen Krankheitsursachen sind bisher ungeklärt. Als auslösender Faktor wird unter anderem eine örtliche Infektion mit dem Masernvirus diskutiert. Teilweise ist die Krankheit erblich. Des Weiteren rufen hormonelle Umstellungen (z. B. in der Schwangerschaft) eine schubartige Verschlechterung der Otosklerose hervor.

Das macht der Arzt

Eine versteifte Gehörknöchelchenkette kann mit einer Steigbügelprothese wieder in Gang gebracht werden. Dem Operateur reicht ein kleiner Schnitt im Trommelfell, um ins Mittelohr zu gelangen und dort unter mikroskopischer Vergrößerung zu arbeiten. In 90 % der Fälle gelingt der Eingriff.

Der Arzt sichert die Diagnose – nach Inspektion des Trommelfells mit dem Mikroskop – anhand verschiedener Hörprüfungen, die ein charakteristisches Gesamtbild liefern. So zeigt sich z. B. im Tonaudiogramm typischerweise eine gestörte Schallleitung im mittleren bis hohen Frequenzbereich und im Sprachaudiogramm ein eingeschränktes Sprachverständnis. Speziell zum Nachweis einer unbeweglichen Gehörknöchelchenkette dient der Gellé-Versuch: Der Arzt setzt eine angeschlagene Stimmgabel auf die Schädelmitte und erhöht zugleich mit Hilfe eines Ballons den Druck im Gehörgang des betroffenen Ohrs. Dieser Überdruck schränkt beim Gesunden die Beweglichkeit der Gehörknöchelchen ein, sodass der Ton leiser wird. Hört der Patient ihn dennoch in unveränderter Stärke, spricht dies für eine versteifte Gehörknöchelchenkette.

Eine ursächliche Behandlung der Otosklerose ist bisher nicht bekannt, die resultierende Schwerhörigkeit kann aber durch eine Operation erfolgreich gemindert werden. Dabei wird der Steigbügel teilweise oder ganz durch eine Steigbügelprothese (Stapesplastik) ersetzt, sodass der Schall wieder weitergeleitet werden kann. Der Eingriff ist unter Lokalanästhesie oder Vollnarkose möglich und bringt üblicherweise einen kurzen Klinikaufenthalt (3–5 Tage) mit sich. Die häufigste Komplikation ist Schwindel, ausgelöst durch ein schlecht sitzendes Implantat. Nach etwa 4–6 Wochen ist die Prothese vollständig eingeheilt und das Hörvermögen bessert sich in der Regel deutlich. Statt der Operation kann auch ein Hörgerät angepasst werden.


Von: Prof. Dr. med. Gerhard Grevers; Dr. Ute Koch; Thilo Machotta; Dr. med. Arne Schä | zuletzt geändert am 28.04.2016 um 15:52


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