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Positiv denken

Wer sich gestresst fühlt, wird von negativen Gedanken und pessimistischen Erwartungen überflutet. „Denk doch mal positiv!“ erscheint einem da eher als Spott denn als Ausweg. Trotzdem: Auch wenn es einem wie der Rat erscheint, sich „am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen“ – das Konzept kann helfen:

Wie positiv oder wie negativ wir uns selbst sehen und bewerten, hat mit unseren realen Eigenschaften und Fähigkeiten eher wenig zu tun – schöne Menschen sehen sich selbst nicht weniger kritisch als weniger schöne und selbst professionelle Models haben meist eine Menge an sich auszusetzen. Wir orientieren uns mit unserem Selbstbild nun einmal nicht an einem absoluten Maßstab, sondern an dem, was Psychologen den Erwartungshorizont nennen – eben den Erwartungen, die uns der „Bewerter in unserem Kopf“ einflüstert.

Diese Bewertungen lassen sich zumindest zum Teil beeinflussen. Forscher können sogar messen, dass jemand, der bewusst die Mundwinkel nach oben zieht (also künstlich lächelt), sich dadurch tatsächlich besser fühlt. Auch wenn diese Art der Selbstmanipulation keine Berge versetzen kann: Wir können sie nutzen. Dazu müssen wir nur unseren mentalen Botschaften eine positive Deutung, „ein künstliches Lächeln“ geben:

  • Positiv denken heißt, sich selbst positiver zu bewerten oder einfach den Blickwinkel zu verändern („Was ich heute alles geschafft habe“ statt „Was heute wieder alles liegen geblieben ist“). Positiv denken heißt also im Grunde: nett zu sich selbst zu sein und Achtung vor sich selbst zu haben.
  • Positiv denken ist aber mehr. Es besteht auch darin, sich zu motivieren und positiv zu formulieren – aus „Das schaff ich nie!“ wird dann „Not macht erfinderisch!“. Und aus einem „Das geht ganz sicher schief!“ ein „Wird schon schief gehen!“.
  • Positiv denken heißt aber auch: von anderen Gutes erwarten. Andere positiv zu sehen statt negativ. Psychologen wissen aus vielen Experimenten: Man beeinflusst andere durch seine Erwartungen. Ein beiläufig aufgeschnapptes „Das schafft der nie!“ kann ruinieren, ein „Das traue ich Dir zu!“ dagegen Berge versetzen. Diese Kraft kann auch in Beziehungen genutzt werden!

Von: Dr. med. Herbert Renz-Polster | zuletzt geändert am 17.03.2016 um 17:56


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