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Prioritäten setzen

Unsere Kräfte sind begrenzt. Trotzdem wollen wir oft „alles mitnehmen“ – der erste Schritt zur Überlastung. Prioritäten zu setzen klingt vernünftig und ganz einfach. Ein Missverständnis, denn Prioritäten setzen heißt nicht: das eine zu tun und das andere aufzuschieben. Prioritäten setzen heißt „Nein“ sagen zu lernen und Entscheidungen zu treffen, auch wenn eine Entscheidung für etwas eine Entscheidung gegen etwas anderes beinhaltet. Prioritäten setzen kann schmerzen, im Nachhinein erweisen sich (schwere) Entscheidungen häufig aber auch als erleichternd.

Welche Prioritäten? Auch wenn es da keine Patentantwort geben kann – die Ergebnisse der Glücksforschung können zumindest ein paar Anregungen geben. Danach sollten wir gerade von dem am hartnäckigsten verfolgten Ziel, nämlich der Einkommenssteigerung, nur wenig erwarten – Einkommenssteigerungen über ein durchschnittliches, die Existenz sicherndes Niveau hinaus erhöhen die persönliche Zufriedenheit praktisch nicht.

Dagegen tragen die oft vernachlässigten, „weichen“ Ziele weitaus mehr zu unserer Zufriedenheit bei: eine funktionierende Partnerschaft, soziale Vernetzung, aber auch Fairness und Entscheidungsspielraum am Arbeitsplatz. Daraus leitet sich der Rat ab, den beruflichen Aufstieg mit einem kritischen Blick zu betrachten: Bringt der Aufstieg auch wirklich ein Mehr an Entscheidungsfreiheit oder entpuppt er sich als „Falle“? Und wie steht es mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf – auch für Männer?


Von: Dr. med. Herbert Renz-Polster | zuletzt geändert am 17.03.2016 um 17:55


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