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Professionelle Hilfe suchen, um sich selbst zu helfen

Dauerstress ist keine Bagatelle, sondern kann Ursache tief greifender Gesundheitsstörungen sein. Doch aus dem Dauerstress herauszufinden, kann die Möglichkeiten des Einzelnen übersteigen. Denn Dauerstress lähmt, und er schafft oft genug auch andere psychische und soziale Probleme, die einer Lösung im Weg stehen – von Angststörungen über Suchtprobleme bis hin zu zerrütteten Beziehungen oder Konflikten im Job. So weit sollte man es nicht kommen lassen, zumal viele Hilfsangebote zumindest zu Beginn kostenlos sind.

Wer aber braucht professionelle Hilfe? – Vielleicht ist es gut, darüber zunächst einmal mit dem Partner, einem guten Freund, Seelsorger, dem Hausarzt oder einem Psychotherapeuten zu sprechen. Für einen Außenstehenden ist manchmal überraschend schnell klar, wo der Kern der Probleme liegt. Ärzte können zudem gezielt an eine Beratungsstelle oder einen geeigneten Therapeuten verweisen. Und selbst wenn sich herausstellt, dass professionelle Hilfe nicht der richtige Ansatz ist, tut es einfach gut, in einem geschützten Rahmen über seine Sorgen zu reden und dabei vielleicht auch einige wertvolle Hinweise mit nach Hause zu nehmen.

Helfen können wir uns nur selbst. Jede Art erfolgreicher Beratung, Training oder Therapie wird „nur“ eines tun können: Lernprozesse anstoßen, uns dazu zu motivieren, eine neue Sicht der Dinge einzunehmen und aus dieser neuen Sicht die Herausforderungen besser anzupacken. Da hilft es, Veränderungen nicht von vornherein abzublocken und sich im Klaren darüber zu sein, dass

  • zumindest einige Zumutungen unvermeidlich sind: „Das kann ich mir/meinen Kindern/meinem Partner nicht zumuten.“ ist ein verständliches Argument. Allerdings: wer nur auf die Zumutbarkeit schaut, verhindert womöglich auch Lösungen. Zumutungen können auch radikale Lösungen umfassen – etwa die Trennung vom Arbeitsplatz oder gar den Abbruch von Beziehungen, z. B. mit Verwandten, mit denen kein positiver Umgang gefunden werden kann.
  • Schuldzuweisungen nichts bringen. Denn: Niemand ist an Ihrem Leben „schuld“. Gedanken wie „Hätte meine Mutter doch nur …“ sind sinnlos, und dieser Zug ist auch in der Psychotherapie von fast allen Gleisen abgefahren. Die Vergangenheit „aufzuarbeiten“ kann die eine oder andere verwertbare Erkenntnis bringen, doch das Gegebene anzunehmen gehört zur Grundvoraussetzung für den Blick nach vorn.
  • Änderungen Zeit benötigen – die Ursachen unseres Stressproblems sind nicht über Nacht entstanden, sie lassen sich demzufolge auch nur langsam beseitigen.

Von: Dr. med. Herbert Renz-Polster | zuletzt geändert am 17.03.2016 um 17:57


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