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Refluxkrankheit bei Babys

Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Bei der Refluxkrankheit (gastro-ösophageale Refluxkrankheit) fließt wie beim normalen Spucken Speisebrei vom Magen zurück in die Speiseröhre, allerdings so oft und stark, dass dadurch Beschwerden und Krankheitszeichen entstehen. Betroffen sind etwa 5 % der Säuglinge, besonders häufig ehemalige Frühgeborene und Kinder mit neurologischen Erkrankungen.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn

  • Das Baby nach dem Füttern stark spuckt und nicht ausreichend an Gewicht zunimmt
  • Das Baby auffällig viel hustet
  • Ein älteres Kind häufig Sodbrennen hat

Heute noch, wenn

  • Blutige oder bräunliche Fädchen in der herausgelaufenen Milch zu sehen sind
  • Das Baby zusätzlich zu den Refluxbeschwerden Fieber hat
  • Das Baby nach jeder Mahlzeit „im Schwall“ (d. h. in hohem Bogen) erbricht und allmählich apathisch wird.

Die Erkrankung

Wie beim Erwachsenen (Refluxkrankheit des Erwachsenen) wirkt auch bei Kindern der Mageneingang zusammen mit dem Zwerchfell wie ein Ventil: Es kann zwar Speise aus der Speiseröhre in den Magen gelangen, aber kaum zurück. Dieser schützende Ventilmechanismus ist bei verschiedenen Erkrankungen gestört, z. B. bei einem Zwerchfellbruch (Hiatushernie) mit Verlagerung des Magens in den Brustraum. Auch bei einer allgemeinen Muskelerschlaffung (Hypotonie), wie sie bei vielen neurologischen Störungen auftritt, oder infolge eines Sauerstoffmangels bei der Geburt oder anderen Entwicklungsverzögerungen, funktioniert die Abdichtung nicht so gut. In vielen Fällen allerdings kann bei Kindern gar keine sichere Ursache gefunden werden: Die Kinder sind ansonsten gesund und auch anatomisch ist alles normal angelegt.

Da die Speiseröhrenschleimhaut im Gegensatz zur Magenschleimhaut nicht für den sauren Mageninhalt „gebaut“ ist, entzündet sie sich bei ständig wiederkehrendem Kontakt mit dem stark säurehaltigen Mageninhalt – Sodbrennen, Schmerzen, aber auch schleichende Blutverluste und spätere Geschwüre oder gar Vernarbungen sind mögliche Langzeitfolgen. Meist fallen die betroffenen Kinder so auf:

  • Die betroffenen Säuglinge spucken so intensiv, dass sie zuwenig Nahrung behalten und deshalb nicht gedeihen.
  • Manchmal entzündet sich die Speiseröhre (Ösophagitis); die Kinder weinen viel, strecken sich nach dem Trinken krampfartig, um die Schmerzen „wegzudrücken“.
  • Manchmal kann die Entzündung so stark sein, dass wegen der beständigen Sickerblutungen eine chronische Blutarmut (Anämie) entsteht.
  • Selten gelangt bei einer Refluxkrankheit auch ein Teil des Speisebreis in die Bronchien; dies geschieht besonders bei Kindern mit neurologischen Problemen, z. B. einer Zerebralparese. Die betroffenen Kinder husten viel und haben möglicherweise wiederkehrende Lungenentzündungen.
  • Aber auch Asthma kann in manchen Fällen durch einen Reflux bedingt sein. Gelangt nämlich saurer Speisebrei in den Kehlkopf, verengen sich über Reflexe die Bronchien. Bei Früh- und Neugeborenen bewirken ähnliche Reflexe, dass sie eine Zeitlang die Luft anhalten (Apnoen).
  • Auch das Risiko für Mittelohrentzündungen ist erhöht – möglicherweise, weil kleinste zurückfließende Mengen Magensaft über die Eustachische Röhre ins Mittelohr gelangen.

Das macht der Arzt

Falls ein Baby nur etwas mehr spuckt als der Durchschnitt, sonst aber gedeiht und keine Krankheitszeichen zeigt, sind weder technische Untersuchungen noch eine spezielle Behandlung erforderlich. Denn häufiges „Spucken“ kann im ersten Lebensjahr absolut normal sein. Bei stärkeren Beschwerden sind jedoch eine genaue Diagnose und eine zielgerichtete Therapie notwendig.

Zur Unterdrückung der Magensäure werden Kindern oft Medikamente (z. B. mit Ranitidin oder Omeprazol) verabreicht. Diese teilweise auch rezeptfrei erhältlichen Medikamente sollten bei Kindern aber nur nach Rücksprache und Verordnung durch den Arzt gegeben werden – gleiches gilt auch für Medikamente, die die Magenentleerung fördern, z. B. Metoclopramid.

Empfohlen werden häufige kleine Mahlzeiten. Babys werden nach der Mahlzeit am besten noch etwa 15–30 Minuten aufrecht auf dem Arm gehalten, bevor sie abgelegt werden. Auch für Kinder ist eine leichte Oberkörperhochlagerung gut; denn diese hält die Nahrung eher im Magen. Die früher empfohlene Bauchlage wird heute abgelehnt, da sie das Risiko eines plötzlichen Kindstods erhöht. Am günstigsten für die Magenentleerung ist die Rechtsseitenlage.

Zu strammes Wickeln gilt es zu vermeiden – der Bauch sollte nicht noch zusätzlich unter Druck geraten.

Falls das Kind Flaschennahrung bekommt, kann diese mit Reisschleimflocken oder Nestargel® eingedickt werden, dies vermindert das „Zurückschwappen“ des Speisebreis. Selten ist – bei Versagen der medikamentösen Behandlung oder bei Komplikationen – eine Operation, wie etwa eine Fundoplikatio („Festnähen“ des Magens) erforderlich.


Von: Dr. med. Herbert Renz-Polster | zuletzt geändert am 14.03.2016 um 18:08


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