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Rückenmarktumoren

Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Rückenmarktumoren (spinale Tumoren): Seltene, meist gutartige Tumoren, die vom Rückenmark ausgehen oder sich in unmittelbarer Nähe zum Rückenmark befinden. Betroffen sind meist ältere Menschen.

Leitbeschwerden

  • Empfindungsstörungen (z. B. vermindertes Berührungsempfinden), die aber oft lange nicht bemerkt werden
  • Schmerzen; am Rumpf oft gürtelförmig und nicht selten als „Ischiasschmerzen“ oder bei Ausstrahlung weit nach vorne als „Bauchschmerzen“ fehlgedeutet
  • Müde Beine und „schwerfälliger“ Gang.

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag bei Empfindungsstörungen oder Schmerzen, deren Ursache unbekannt ist und die nicht verschwinden oder starken Schmerzen im Rücken oder in den Beinen.

Sofort den Arzt rufen, wenn Lähmungen bemerkt werden, Blase und/oder Darm nicht mehr willkürlich entleert werden können oder umgekehrt ungewollt Urin und/oder Stuhl abgehen.

Die Erkrankung

Die gutartigen Meningeome (von den Hirnhäuten ausgehend) und Neurinome (von den Nervenzellen ausgehend) machen gut zwei Drittel der Tumoren aus.

Infolge des langsamen Wachstums der Rückenmarktumoren nehmen die Beschwerden meist allmählich zu. Da Empfindungsstörungen manchmal lange Zeit nicht bemerkt werden, sind die Schmerzen dominierendes Krankheitszeichen. Sie werden allerdings nicht selten fehlgedeutet, z. B. als „Ischiasschmerzen“ (obwohl die Schmerzzone hierfür meist zu hoch liegt).

Manchmal sind erst auffällige Lähmungen oder Blasen-Mastdarm-Störungen Anlass zur weiteren Abklärung.

Das macht der Arzt

Kernspin von Hals- und oberer Brustregion eines 36-jährigen Mannes, der über zunehmende Empfindungsstörungen in allen Extremitäten klagte. Das Kernspin zeigt einen langgestreckten Rückenmarktumor, ein so genanntes Ependymom (rote Pfeile), sowie zwei wässrige Aussackungen darüber und darunter. Trotz seiner Ausdehnung war der Tumor operabel und der Betroffene wurde geheilt.

Wichtigste diagnostische Maßnahme ist das Kernspin, bei Verdacht auf Knochenbeteiligung ergänzt durch ein CT. Außerdem wird der Liquor auf Tumorzellen untersucht. Da sich ohne Behandlung eine Querschnittlähmung entwickelt, wird fast immer operiert. Tumoren innerhalb des Wirbelkanals, aber außerhalb des Rückenmark, können oft vollständig entfernt werden. Bei Tumoren im Rückenmark können Kompromisse notwendig sein (wie eine Teilentfernung des Tumors), wenn durch die Operation Ausfälle zu befürchten sind. In diesem Fall wird eine Strahlenbehandlung durchgeführt.

Nach der Operation bilden sich auch starke Schmerzen oder ausgeprägte Lähmungen oft erstaunlich gut zurück, vorausgesetzt das Rückenmark ist noch nicht dauerhaft geschädigt. Der Rückgang der lähmungsbedingten Ausfälle kann allerdings Wochen oder gar Monate dauern und einen Aufenthalt in einer Reha-Klinik erforderlich machen. Da viele Tumoren gutartig sind und vollständig entfernt werden können, sind die Aussichten insgesamt recht gut.


Von: Dr. med. Nicole Menche | zuletzt geändert am 22.04.2016 um 12:34


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