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Sehnenscheidenentzündung am Handgelenk

Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis): Akute oder chronische Entzündung des Sehnengleitgewebes, häufig zusammen mit einer Entzündung der Sehnen (Tendinitis) auftretend. Betroffen sind meist Unterarm und Handgelenk. Die Ursache liegt oft in Über- und Fehlbelastungen, z. B. durch monotone Bewegungen, falsche Sporttechnik oder unzureichende Ergonomie am Arbeitsplatz. Entsteht die Erkrankung durch Arbeiten mit der Computermaus, spricht der Arzt von einem Mausarm. Für einige Risikogruppen gilt er als Berufskrankheit. Mit konservativer Therapie (z. B. Schonung, Kühlung, Schmerzmitteln, Antibiotika) lässt sich eine Sehnenscheidenentzündung gut behandeln; sie kehrt jedoch wieder, wenn die Auslöser unberücksichtigt bleiben.

Leitbeschwerden

  • Ziehende oder stechende Schmerzen bei Unterarm- und Handbewegungen
  • Tastbares schmerzhaftes Knirschen und Reiben der betroffenen Sehne
  • In ausgeprägten Fällen auch Ruheschmerz, wenig Besserung nach Ruhigstellung über Nacht
  • Oft Rötung und Schwellung über den betroffenen Sehnen
  • Bei der chronischen Form oft knotige Verdickungen der betroffenen Sehne, eventuell mit Phänomen des schnellenden Fingers.

Die Erkrankung

An keinem anderen Ort des Körpers kommen Sehnenscheidenentzündungen so häufig vor wie an Unterarm und Handgelenk. Ursache ist meist eine monotone mechanische Beanspruchung in Arbeit oder Sport, eventuell in Verbindung mit schlechter Arbeitsplatzergonomie oder falscher Sporttechnik. Typische Auslöser sind:

  • Intensive Arbeit am Computer, insbesondere an zu hohen oder niedrigen Computertischen oder mit ergonomisch schlechten Mäusen
  • Andere berufliche Überlastungen, z. B. bei Krankengymnasten und Monteuren
  • Sportliche Aktivitäten, z. B. Hantelübungen, Bodenturnen, Klettern, Radfahren, Badminton und Tischtennis
  • Intensives Üben mit Musikinstrumenten wie Gitarre, Schlagzeug, Geige und Klavier
  • Selten entzündlich-rheumatische Krankheitsprozesse oder eine Verletzung der Sehnenscheide.

Unzureichend behandelt geht die akute Sehnenscheidenentzündung in eine schwelende, chronische Krankheitsphase über, die sich oft über viele Monate hinzieht. Der Krankheitsprozess verstärkt sich dabei selbst. Die Entzündung führt zum oft äußerlich sichtbaren Anschwellen der Sehnenscheide und zu Aufrauungen und kleinen Verletzungen der inneren Sehnenscheidenwand, die daraufhin entzündliche Sekrete absondert. Die zugehörige Sehne gleitet nicht mehr ungehindert, sondern reibt sich bei jeder Bewegung mit fühlbarem schmerzhaften Knarren an dem entzündeten Gewebe. Nach neueren Forschungsergebnissen sind an chronischen Verläufen manchmal auch Bakterien wie Chlamydien, Mykoplasmen oder verschiedene Durchfallerreger beteiligt. Im Gefolge eines Darm- oder Atemweginfekts führen sie zu einer Immunreaktion, die sich manchmal als Sehnenscheidenentzündung bemerkbar macht.

Das macht der Arzt und Selbstbehandlung

Diagnosesicherung. Der Arzt stellt die Diagnose aufgrund der typischen Beschwerden und des klinischen Befundes, z. B. Schmerzen bei Druck auf die betroffene Stelle oder bei Überstreckung der Hand. Technische Untersuchungen oder Röntgenbilder erübrigen sich.

Therapie. Kurzzeitige Kühlung des entzündeten Areals sowie eine Ruhigstellung (Schiene, evtl. sogar Gips) des Gelenks dämpfen den akuten Schmerz. Schmerzmittel (NSAR wie Diclofenac, z. B. Voltaren®) lindern ebenfalls die Beschwerden und hemmen die Entzündung. Sie finden auch in Salbenform Verwendung (z. B. Diclac® Schmerzgel). Bei starken Schmerzen hilft oft eine (einmalige) Injektion von Kortisonpräparaten in den Bereich der Sehnenscheide. Für die Behandlung ist mit einer mehrwöchigen Ruhigstellung zu rechnen. Um anschließend keinen Rückfall zu provozieren, ist es entscheidend, die ursächliche Belastung entweder auf Dauer zu vermeiden oder nur schrittweise über einen Zeitraum von 3–4 Wochen wieder aufzubauen. Es empfiehlt sich auch, auf die Schlafstellung der betroffenen Hand zu achten – eine ungünstige Stellung in starker Beugehaltung macht manchmal eine Erholung der Sehnenscheiden unmöglich.

Ist die Erkrankung bereits chronisch geworden, hilft Wärme meist besser als Kälte. In diesem Fall sind oft auch spezielle Massagen wirksam. Versuche mit der extrakorporalen Stoßwellentherapie zeigen ebenfalls ermutigende Ergebnisse; sie ist aber nur an wenigen Orten verfügbar. Wegen der möglichen Beteiligung von Bakterien am Entzündungsgeschehen empfehlen manche Ärzte eine antibiotische Therapie. Hierfür ist allerdings eine Behandlungsdauer von ein bis drei Monaten erforderlich. In besonders schweren Fällen lässt sich eine chronische Sehnenscheidenentzündung auch operativ behandeln. Dabei spaltet der Arzt die verengte Stelle der Sehnenscheide und schafft damit Entlastung.

Jede dieser Maßnahmen bringt langfristig nur Besserung, wenn gleichzeitig die Ursache der Erkrankung beseitigt wird. Dies lässt sich bei PC-Arbeit z. B. durch andere Arbeitsgeräte oder längere Pausen, durch ein Polster vor der Tastatur, eine größere PC-Maus oder durch einen Wechsel der „Maushand“ erreichen. Bei Musikern und Sportlern helfen oft bessere Techniken, lockeres Warmspielen und längere Aufwärmübungen der Hände vor dem eigentlichen Spiel. Gezielte Übungen zur Stärkung der Arm- und Rückenmuskulatur tragen ebenfalls dazu bei, ein Wiederauftreten der Beschwerden zu verhindern. Was im Einzelfall angebracht ist, sollte mit der Physiotherapeutin oder dem Orthopäden gründlich diskutiert und ausprobiert werden.

Es ist wichtig, die Therapie weniger auf die meist problemlose Beseitigung der Schmerzen als vielmehr auf die Verhinderung von Rückfällen zu konzentrieren. Letzteres ist schwierig, erfordert Ideen, Geduld zum Ausprobieren von Strategien und sorgfältige Selbstbeobachtung. Aber dieser Weg lohnt sich, weil sonst im Extremfall, z. B. bei Schreibkräften oder Berufsmusikern, Berufsunfähigkeit droht.

Komplementärmedizin

Es kommen die gleichen komplementärmedizinischen Maßnahmen wie die zur Behandlung eines Tennisellenbogens infrage.


Von: Dr. med. Michael Bedall | zuletzt geändert am 08.02.2013 um 16:23


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