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Spinaliom

Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Spinaliom (Stachelzelltumor, Plattenepithelkarzinom, Stachelzellenkrebs): Bösartiger Tumor der Haut und Schleimhaut, ausgehend von den Stachelzellen und zu 90 % die der Sonne ausgesetzten Areale im Gesicht (Stirn, Nase, Ohren und Lippen) betreffend. Seltener findet sich das Spinaliom an der Zunge oder im Genitalbereich, gelegentlich auch am Rande von chronischen Hautwunden wie bei einem offenen Bein (Ulcus cruris).

Das Spinaliom ist ein relativ langsam wachsender Tumor. Die meisten Patienten sind über 70 Jahre alt. Ist der Tumor kleiner als 5 mm, liegen nur in ~ 12 % der Fälle Metastasen vor und die Heilungsaussichten sind sehr gut. In den späteren Stadien mit Lymphknotenbefall und Fernmetastasen verschlechtert sich die Prognose erheblich. Insgesamt liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei ~ 70 %.

Im Deutschen wird das Spinaliom zum weißen Hautkrebs gezählt, wie auch das Basaliom

Leitbeschwerden

  • Schuppige rote Herde
  • Krustig-blutige Haut- und Schleimhautdefekte (Geschwüre)
  • Langsames Wachstum, schubweise scheinbare Besserung.

Wann zum Hautarzt

In den nächsten Tagen, wenn schuppende Herde im Gesicht länger bestehen und man älter als 50 Jahre ist.

Die Erkrankung

Die Stachelzellen bilden eine Schicht der Ober- und Schleimhaut. Sie teilen sich regelmäßig und wirken bei der ständigen Erneuerung der Hornschicht mit. Die Gründe für eine Entartung dieser Zellen sind vielfältig, hängen aber alle mit physikalischer (z. B. UV-Strahlung) oder mechanischer Belastung zusammen. Beispielsweise führen bei Pfeifenrauchern im Lippenbereich Teer und Nikotin aus dem verbrannten Tabak zu einem Spinaliom der Lippe. Sehr oft entwickelt sich das Spinaliom aus einer aktinischen Präkanzerose.

Zu Beginn sind die Beschwerden geringfügig. Es findet sich eine kleine, nur wenige Millimeter große leichte Rötung mit Schuppung. Manchmal beginnt es zu bluten, wenn man versucht, die Schuppung zu entfernen. Erst später (nach Wochen bis Monaten) beginnt das Spinaliom, sich in die Tiefe auszudehnen und erhaben mit kleinen Knötchen oder blumenkohlartig zu wachsen. In diesem Stadium zerstört es die umliegenden Strukturen wie Knorpel und Knochen. Mit der Eindringtiefe steigt das Risiko für Sekundärtumoren, die über die Lymphbahnen metastasieren. Im fortgeschrittenen Stadium bilden sich schmierig belegte Geschwüre.

2015 wurde das Spinaliom in die Liste der Berufskrankheiten aufgenommen. Spinaliom-Patienten, die regelmäßig und über viele Jahre hinweg im Freien arbeiteten, haben damit einen Anspruch auf Überprüfung ihres Falles durch die gesetzliche Unfallversicherung. Stuft diese die Erkrankung als berufsbedingt ein, erhält der Betroffene weitreichendere Gesundheitsleistungen als von den Krankenkassen gewährleistet werden.

Das macht der Arzt

Aufgrund der vor allem in den frühen Stadien wenig auffälligen Herde ist eine feingewebliche Untersuchung notwendig. Dazu werden Hautproben ausgestanzt oder durch eine Kürettage abgeschabt. Sobald die Diagnose gesichert ist, muss der Tumor vollständig mit einem Sicherheitsabstand von 0,5 cm im gesunden Gewebe chirurgisch entfernt werden. Bei Lymphknotenmetastasen werden alle Lymphknoten dieser Region entfernt. Metastasen in anderen Organen bedingen ein individuelles Vorgehen mit Operation, Bestrahlung und Chemotherapie. Bei größeren Eingriffen sind unter Umständen wiederherstellende Operationen (z. B. zur Deckung von Hautdefekten) nötig.

Vorsorge und Nachsorge

Wie bei den anderen Hauttumoren spielt die Sonnen- bzw. UV-Belastung, v. a. im Gesicht, eine herausragende Rolle. Das Tragen einer Kopfbedeckung in Verbindung mit dem Einsatz von Sonnenschutzcremes, z. B. Lichtschutzfaktor 25, ist eine einfache und effektive Vorsorgemaßnahme. Nach Auftreten und erfolgreicher Behandlung eines Spinalioms ist eine regelmäßige Kontrolle der gesamten Haut durch den Betroffenen selbst bzw. einen Arzt sinnvoll.

Weiterführende Informationen

  • P. Altmeyer; M. Bacharach-Buhles: Enzyklopädie Dermatologie, Allergologie, Umweltmedizin. Springer, 2002. Einfach zu handhabendes Lexikon, nicht nur für Hautärzte geeignet.

Von: Dr. med. Berthold Gehrke, Dr. med. Arne Schäffler | zuletzt geändert am 13.04.2016 um 14:26


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