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Warum Impfungen trotz Kritik wichtig sind

Schwere Infektionskrankheiten sind heute selten geworden, auch dank der Impfungen. Trotzdem sehen viele Menschen Impfungen kritisch, und das ist durchaus verständlich. Viele der ehemals gefürchteten (Kinder-) Krankheiten sind heute nur noch abstrakte Gefahren, während die unzähligen Spritzen, Kinderarzttermine und die auch bei Impfungen nicht auszuschließenden Nebenwirkungen durchaus real sind.

Bei den Impfungen stehen sich zwei Ansätze gegenüber, die nicht einfach miteinander zu vereinbaren sind: die individuelle Vorsorge, die dem Einzelnen nützt, und die bevölkerungsbezogene Vorsorge, die allen nützt.

So wird die Rötelnimpfung beispielsweise auch für Jungen empfohlen, für die diese Erkrankung harmlos ist – schließlich gefährden Röteln „nur“ das ungeborene Kind im Leib der nicht geimpften Mutter. Als individuelle Vorsorge hat die Rötelnimpfung also für Jungen keinen Sinn, als bevölkerungsbezogene Vorsorge aber sehr wohl. Fällt nämlich der Anteil der Geimpften in der Bevölkerung, die so genannte Herdenimmunität, unter 85 %, so kann das Virus genug Menschen infizieren, um sich weiter auszubreiten. Dies wäre kein Problem, wenn tatsächlich alle Mädchen im fortpflanzungsfähigen Alter geimpft wären, was allerdings unrealistisch ist.

Viele der empfohlenen Impfungen haben eine solche Solidaritätskomponente: Keuchhusten z. B. ist vor allem für junge Säuglinge gefährlich; ältere Kinder und Erwachsene überstehen die Erkrankung fast immer ohne Komplikationen. Leider schützt die Keuchhustenimpfung aber erst nach der zweiten Impfung ab dem 4. Lebensmonat, sodass die Säuglinge vor dieser Zeit trotz Impfung gefährdet sind – gut also, wenn Eltern, Geschwister, Nachbarskinder und andere Kontaktpersonen gegen Keuchhusten geimpft sind.

Impfgegner argumentieren ausschließlich mit der individuellen Vorsorgekomponente, die bevölkerungsbezogene Komponente wird als Argument nicht akzeptiert. So kann es passieren, dass in Kinder- und Schüler-Gruppen mit einem hohen Anteil an Kindern von Impfgegnern Epidemien (z. B. Masern) ausbrechen. Kinderärzte warnen vor den Folgen: Die Masern können gefährliche Hirnentzündungen verursachen.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass sowohl Krankheitserreger als auch ihre Träger sehr mobil sind. Selbst wenn viele Infektionskrankheiten in den Industrieländern fast ausgelöscht sind, können Erreger durch Reisende importiert werden. Das hat zur Folge, dass sich die Erkrankung in einer ungeimpften Bevölkerung rasch verbreitet.

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Von: Dr. med. Herbert Renz-Polster | zuletzt geändert am 17.03.2016 um 15:45


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