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Redaktion apotheken.de » Gesundheit und Politik » Arzneimittelversorgung

Ärzte ohne Grenzen fordern


HIV/AIDS-Patente für alle


Die internationale medizinische Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen fordert die neun Hersteller der wichtigsten HIV/Aids- Medikamente auf, ihre Patente in einen Pool zu geben. Damit sollen die Konzerne die Medikamente für Millionen Menschen mit HIV/Aids verfügbar machen.

Geteiltes Wissen zum Wohl der Patienten

In einem solchen Pool stellen Patentinhaber ihre Patente anderen Herstellern für Produktions- oder Entwicklungszwecke zur Verfügung. Im Bereich der digitalen Telekommunikation hat dieser Mechanismus zu einem Innovationsschub geführt. "Die Idee ist einfach. Unternehmen teilen ihr Wissen, erhalten dafür faire Lizenzgebühren und die Generika-Firmen können günstige Nachahmerpräparate entwickeln", erklärte Oliver Moldenhauer von Ärzte ohne Grenzen in Berlin. "Dieser Kompromiss kann den Zugang zu HIV/Aids-Medikamenten grundlegend verändern."

Die internationale Einrichtung UNITAID zum Erwerb von Medikamenten gegen HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose errichtet derzeit einen Pool für HIV/Aids-Medikamentenpatente. Für den Erfolg dieses Pools ist die Teilnahme der großen Hersteller ausschlaggebend.

"Nun liegt es an den großen Pharmafirmen. Wir fordern sie auf, sich für das Wohl der HIV-Patienten zu entscheiden", erklärte Moldenhauer. "Dies ist die Gelegenheit für Pharmafirmen zu zeigen, dass sie wirklich dazu beitragen wollen, den Zugang zu lebensrettenden Medikamenten für Aids-Kranke in ärmeren Ländern zu ermöglichen."

Neue, wirksamere Medikamente werden gebraucht

Für HIV/Aids-Patienten wären die Auswirkungen enorm. Ein Patentpool würde die Verfügbarkeit von kostengünstigeren Versionen der lebenserhaltenden Medikamente stark verbessern. "Diese Gelegenheit kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt", erklärte Eric Goemaere, medizinischer Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Südafrika. "Bei vielen unserer Patienten haben sich Resistenzen gebildet. Sie müssen nun zu neueren, wirksameren Medikamenten wechseln. Da diese aber für sie entweder nicht verfügbar oder unbezahlbar sind, sind die Patienten wieder vom Tod durch Aids bedroht." Ärzte ohne Grenzen behandelt derzeit mehr als 140.000 HIV/Aids-Patienten in rund 30 Ländern weltweit.

Unterstützt wird die Aktion vom Aktionsbündnis gegen Aids, der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW), der Initiative Innovation für alle, Oxfam Deutschland und World Vision Deutschland.


14.10.2009 | Von: Dorothee Steeb