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Alarmierende Pflegestudie
Alte Menschen werden oft schlecht gepflegt
Viele alte Menschen in Deutschland sind in einem schlechten Pflegezustand bevor sie sterben. Das haben Hamburger Rechtsmediziner in einer großen Studie zur Situation älterer Menschen ermittelt.
„Von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen“
Deutschland gehört zu den „ältesten Ländern“ der Welt: Im Jahr 2000 war ein Viertel der gesamten Bevölkerung über 60 Jahre alt – im Jahr 2030 wird es bereits jeder dritte Deutsche sein. Umso wünschenswerter ist es, dass alte Menschen in ihrer letzten Lebensphase gut versorgt werden. Dass das allzu häufig nicht der Fall ist, haben Hamburger Rechtsmediziner um Klaus Püschel jetzt belegt. „Die nicht eigenständigen, von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommenen älteren Menschen stehen zum Teil tief im Schatten“, sagt Püschel.
Er und sein Team untersuchten mehr als 8.500 Menschen mit einem Durchschnittsalter von 81 Jahren. Sie waren entweder Zuhause, im Krankenhaus, Pflegeheim oder in einem Hospiz gestorben. Der Pflegezustand kurz vor ihrem Tod wies teilweise schwere Mängel auf. 12 Prozent der Untersuchten hatten mindestens eine leichte Druckstelle vom Liegen, 3,3 Prozent sogar ein schweres Druckliegegeschwür. Der Großteil dieser Patienten war in einem Krankenhaus oder Pflegeheim gestorben.
Untergewicht vor allem im Heim
Die Mediziner haben außerdem festgestellt, dass die Mundhygiene und Zahngesundheit im Alter besonders stark leiden, wodurch die Lebensqualität sinkt. „Bekanntlich sind Prothesen wichtig für das Kauen und Sprechen. Der Tragekomfort, die Kaufunktion und die Stabilität einer Prothese hängen aber stark von der sorgfältigen Pflege ab“, sagt Prof. Klaus Püschel.
22 Prozent der alten Menschen waren untergewichtig, umso älter sie waren, umso häufiger kam Untergewicht vor. Die meisten Untergewichtigen waren im Heim gestorben, relativ selten im Krankenhaus. Knapp 7 Prozent aller Untersuchten wurden mit einer Magensonde durch die Bauchdecke ernährt. Bei einem Drittel der Patienten mit Magensonde war die Bauchdecke entzündet, was auf eine schlechte Hygiene bei der Versorgung der Sonde schließen lässt.
Pflegekräfte tun was sie können
Trotz dieser Ergebnisse stellt Püschel den Pflegekräften kein schlechtes Zeugnis aus. „Bei den Pflegenden ist ein großes Engagement festzustellen. Die Leistungen in diesem Bereich wurden stetig verbessert“, sagt er. Aber es gäbe viele Möglichkeiten und bereits praktizierte Ansätze, die Probleme anzugehen und keinerlei Veranlassung, sich derzeit zufrieden zurückzulehnen. Es fehle vor allem an Plätzen in Heimen und Hospizen und viele alte Menschen sterben ohne jede Pflege allein zu Hause.
In Hamburg wollen deshalb Ärztekammer, Hausarztverbände und Krankenhausgesellschaft jetzt die Pflege verbessern und haben ein sektionsübergreifendes Maßnahmenpaket beschlossen. Doch das Problem ist keinesfalls auf Hamburg beschränkt. Im Gegenteil: In anderen deutschen Großstädten seien die Zahlen noch viel bedenklicher, sagt Püschel. Es herrscht also bundesweit Handlungsbedarf.



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