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Arbeitsplatz: Fehlzeiten-Report 2010
Migrationshintergrund erschwert Arbeitsalltag
Immer mehr Unternehmen in Deutschland stellen gezielt Menschen wegen ihres Migrationshintergrundes ein und nutzen deren sprachlichen und kulturellen Kenntnisse. Zugleich sind Beschäftigte mit ausländischen Wurzeln größeren körperlichen Belastungen ausgesetzt und fühlen sich weniger von Vorgesetzten unterstützt. Sie haben deshalb deutlich öfter gesundheitliche Probleme. Das ist das Ergebnis einer im Fehlzeiten-Report 2010 vorgestellten Befragung in 500 Unternehmen. Der Report basiert auf den Daten von 9,7 Millionen AOK-Versicherten und wird jährlich gemeinsam vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) und der Universität Bielefeld herausgegeben.
Gezielte betriebliche Gesundheitsförderung
Die Vielfalt verschiedener Kulturen innerhalb der Belegschaft ist heute eine Selbstverständlichkeit, stellt Unternehmen aber auch immer noch vor Herausforderungen. Auch der Wandel in der Altersstruktur unserer Gesellschaft verändert die Aufgaben der betrieblichen Gesundheitsförderung. Der Report zeigt aufgrund der Befragungsergebnisse Möglichkeiten auf, diese Aufgaben erfolgreich zu meistern.
Als Beispiel nennt der Fehlzeiten-Report einen bayerischen Betrieb, dessen Beschäftigte mit türkischer Herkunft häufiger krank waren als die deutschen Kollegen. Als Gründe dafür wurden neben der körperlich anstrengenden Akkord- und Schichtarbeit weitere belastende Faktoren identifiziert: ungleiche Behandlung durch Vorgesetzte, Sprachprobleme und damit verbundene Informationsdefizite sowie starre Arbeitszeiten während des islamischen Fastenmonats Ramadan. Der Lösungsansatz beinhaltet beispielsweise Wunschschichten während der unterschiedlichen Feiertage. Vier Wochen Betriebsurlaub ermöglichen den türkischen Mitarbeitern außerdem einen längeren Aufenthalt in der Heimat. Die Führungskräfte lernen Türkisch und in der Kantine gibt es internationale Gerichte. Der Krankenstand lässt sich laut WIdO durch solche Maßnahmen senken.
Straßenreiniger kränker als Ingenieure
Insgesamt hat die Zahl der krankheitsbedingten Fehltage in deutschen Unternehmen 2009 erneut leicht zugenommen und zwar von 4,6 auf 4,8 Prozent. Im Durchschnitt dauerte eine Krankschreibung knapp mehr als 17 Tage. Ältere Arbeitnehmer sind laut der Statistik seltener, aber dafür länger krank. Die Fehlzeiten unterschieden sich auch deutlich nach Branchen und Tätigkeiten. Straßenreiniger und Waldarbeiter beispielsweise sind oft krank. Auch Helfer in der Krankenpflege haben mit durchschnittlich fast 25 Fehltagen pro Jahr oft gesundheitliche Probleme. Vergleichsweise wenig Krankschreibungen gibt es dagegen bei Hochschullehrern, Ingenieuren und Ärzten.
Muskel- und Skeletterkrankungen waren wie schon im Vorjahr auch 2009 für die meisten Krankheitstage verantwortlich. Darauf folgen Atemwegserkrankungen, akute Verletzungen und psychische Erkrankungen. „In den letzten Jahren nehmen psychische Erkrankungen kontinuierlich zu“, sagt Helmut Schröder vom WIdO. Im Vergleich mit anderen Krankheiten verursachen sie zudem längere Ausfallzeiten. Bei einer Atemwegserkrankung fehlt ein Beschäftigter im Schnitt 6,5 Tage, bei einer psychischen Erkrankung sind es fast 23 Tage, wie der Report zeigt.
- Links:
- Mehr Informationen zum Fehlzeiten-Report auf der Webseite des WIdO.



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