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Redaktion apotheken.de » Gesund leben | Vorsorge » Forschung verstehen

Bakterien: Lizenz zum Selbstmord


Oder warum sich Bakteriengift als Antibiotikum eignet


Auch Bakterien kennen Nächstenliebe. Allerdings äußert sie sich bei ihnen anders als bei uns Menschen. Haben Bakterien zu wenig zu essen, opfern sich die schwächeren Artgenossen zum Wohle der stärkeren: Sie bilden ein Gift und bringen sich damit selbst um. Dieses Gift tötet aber auch andere Bakterienarten und eignet sich daher als Antibiotikum.

Giftstoffalarm in Hungerzeiten  

Diesem Phänomen sind jüngst Forscher aus Heidelberg auf die Spur gekommen. Dass manche Bakterien ihr eigenes Gift produzieren, wissen Experten schon länger. Vor allem Streptokokkus pneumonia, der Erreger der Lungenentzündung, ist bekannt dafür, sich selbst umzubringen. Das schafft er jedoch nur, wenn er unter Stress steht – also etwa nichts mehr zu essen hat. Dann schaltet er seinen Stoffwechsel um und aktiviert das Selbstmordgift, die Zeta-Toxine. Diese Giftstoffe werden in stressfreien Zeiten von einem Gegengift in Schach gehalten. In stressigen Zeiten allerdings nicht mehr.

Mit Karacho gegen fremde Bakterien

Anton Meinhardt und seine Kollegen untersuchten nun, ob die Zeta-Toxine auch artfremde Bakterien töten. Als Testkandidaten wählten die Forscher das Bakterium Escherichia coli aus. Dieses Bakterium lebt nicht nur im Darm des Menschen, sondern auch als Modellorganismus in den Brutschränken vieler Labore. Somit hatten die Forscher genug Bakterienmaterial, um das Selbstmordgift zu testen.

Das Ergebnis: Behandelten sie die Bakterien mit dem Gift, hörten diese auf zu wachsen und platzten. Verantwortlich dafür war insbesondere ein Eiweiß mit dem kryptischen Namen UNAG-3P. Dieses Eiweiß verhinderte, dass sich neue intakte Bakterien bilden. Genauer gesagt, blockierte UNAG-3P den Aufbau der Bakterienzellwand. Damit haben die Heidelberger Forscher den entscheidenden Selbstmordwirkstoff entdeckt. Könnten sie diesen in ein Medikament verwandeln, hätten sie damit gleichzeitig ein neues Antibiotikum entwickelt.


23.03.2011 | Von: Dr. nat. med. Anke Kopacek