Notdienstapotheken
Serviceapotheken
Apotheken
Ärztliche Bereitschaft
Giftnotruf

Gesund leben | Vorsorge

Eltern und Kind

Gesundheit und Politik

Krankheiten | Therapie

Premium Gesundheitsinfos

Archiv

«
Mai - 2012
»
SMDMDFS
 01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
2728
29
30
 

Diagnosefinder

diagnosefinder
Medizinlexikon
A B C D E F G H I J K L M
N O P Q R S T U V W X Y Z
Twitter
 
Redaktion apotheken.de » Gesundheit und Politik » Ihr Recht als Patient

Bandscheibenversorgung mit Lücken


Rückenschmerzpatienten erhalten oft keine durchgängige Versorgung


Jeder vierte Deutsche erhält einmal im Jahr die Diagnose "Rückenschmerz". Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems sind der häufigste Grund für eine Arbeitsunfähigkeit. Schwere Rückenerkrankungen wie Bandscheibenvorfälle machen außerdem häufig eine Einweisung ins Krankenhaus notwendig.

Der neue Bandscheiben-Report der Gmünder Ersatz Kasse belegt jetzt Versorgungslücken bei Prävention und Nachsorge von Rückenleiden. Demnach haben Patienten mit der ambulanten Diagnose Rückenschmerzen ein doppelt so hohes Risiko für spätere Bandscheibenschäden.

Bei 65 Prozent der Patienten wird die Bandscheibenverlagerung im Lendenwirbelbereich zur Dauerdiagnose, ohne dass eine Behandlung dokumentiert ist. Und nur 22 Prozent der operierten Bandscheibenpatienten erhalten nach dem Krankenhausaufenthalt eine Anschlussheilbehandlung oder eine aktivierende Reha-Maßnahme.

Hohes Rückfallrisiko

Patienten mit Rückenschmerzen haben aber ein stark erhöhtes Risiko für eine Verschlimmerung ihrer Erkrankung: Patienten mit zweimaliger Diagnose „Bandscheibenverlagerung" innerhalb eines Jahres, die keine anschließende Therapie erhielten, bekamen im Folgejahr dieselbe Diagnose wieder gestellt. 

Aus Sicht des Studienleiters Dr. Bernard Braun vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen (ZeS) ist der Anteil von Dauerdiagnosen ohne dokumentierte Therapie viel zu hoch: "Nach einer zweimaligen Diagnose wäre eine frühzeitige und angemessene Therapie plausibel." Als mögliche Ursache für das erhöhte Risiko für Rückenschmerz-Patienten, dauerhaft zu erkranken, führt er Qualitätsmängel in der ambulanten Diagnostik an. Außerdem werde die Behandlung nicht zügig genug angegangen.

Arzneimitteltherapie und Schmerzreduktion werden zwar meist richtig durchgeführt und haben auch Erfolg. Allerdings werden Patienten danach zu oft sich selbst überlassen, anstatt an ein Reha-Programm oder einen Physiotherapeuten weitervermittelt zu werden. Das wichtige Zusammenspiel von aktivierenden Präventionsmaßnahmen, ambulanter und stationärer Behandlung und Nachsorge ist kaum dokumentiert.

Zu viele Schnittstellen

Das liegt unter anderem daran, dass an der Diagnose und Therapie von Bandscheibenerkrankungen zu viele Akteure beteiligt sind: Hausärzte, Fachärzte, Kliniken, Reha-Zentren und Physiotherapeuten. Bei so vielen Stellen ist  die Gefahr von Ineffizienz und Qualitätseinbußen an den Schnittstellen groß. Das ist einer der Gründe, warum Bandscheibenpatienten oft nicht durchgängig richtig versorgt werden. GEK Vorstand Dr. Rolf-Ulrich Schlenker fordert genauere Nachforschungen: "Es kann nicht sein, dass allein das Fingerspitzengefühl eines Arztes oder der Schmerzdruck des Patienten über eine mögliche Nachversorgung entscheiden."


22.09.2009 | Von: Dorothee Steeb