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Diagnosefinder
Botulinumtoxin für Männer
Hilfe bei Blasenfunktionsstörungen
Das unter dem Handelsnamen Botox® bekannte Nervengift Botulinumtoxin, dem viele Hollywoodstars ihre glatte Haut verdanken, ist in der Urologie ein nützliches Arzneimittel. Immer mehr Patienten mit Blasenfunktionsstörung und unkontrolliertem Harndrang profitieren von der neuen Therapie, auch wenn die Substanz für diesen Gebrauch noch nicht zugelassen ist.
Neun Monate lang weniger Beschwerden
Ständiger Harndrang und überaktive Blase bedeuten für die Betroffenen starke Einschränkungen in der Lebensqualität. Oft führen die Beschwerden gar zum Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben und greifen das Selbstwertgefühl der Patienten an. Wenn herkömmliche Therapien und Heilmethoden nicht helfen, kann Botulinumtoxin eingesetzt werden. Eine Behandlung lindert die Symptome neun Monate lang oder lässt sie ganz verschwinden. Darauf machen Wissenschaftler von der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) aufmerksam. Auch bei Blasenfunktionsstörungen nach Querschnittlähmungen, bei Parkinson oder Multipler Sklerose sowie bei chronisch schmerzhaften Blasenentzündungen wie der Interstitiellen Zystitis kommt das Nervengift als Medikament zum Einsatz.
„Anders als in der Schönheitschirurgie gibt es in der Urologie einen klaren medizinischen Nutzen. Der Wirkstoff schließt die therapeutische Lücke zwischen Medikamenten und Operation“, sagt der Kieler Urologe Christoph Seif von der DGU. Die Patienten werden unter Vollnarkose oder örtlicher Betäubung behandelt. Der Urologe spritzt das Botulinumtoxin während einer Blasenspiegelung direkt in die Harnblase.
Einsatz nur, wenn andere Therapien nicht helfen
Zuvor müssen allerdings alle herkömmlichen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft werden. „Erst wenn herkömmliche Medikamente, Verhaltenstherapien oder physiotherapeutische Therapien wirkungslos bleiben, kann Botulinumtoxin angewendet werden. Denn noch wird es in der Urologie ohne amtliche Zulassung, also im so genannten Off-Label-Gebrauch eingesetzt“, sagt Dr. Seif. Das ist zwar erlaubt, wenn der Arzt es für notwendig hält, geht die Behandlung aber schief, haftet nicht der Hersteller, sondern der Arzt.
Für die Patienten bedeutet der Off-Label-Gebrauch, dass die Krankenkassen in den meisten Fällen zwar die Kosten übernehmen, dazu aber nicht verpflichtet sind. Die Behandlung kostet rund 1.000 Euro. Die Zulassung für den Einsatz in der Urologie ist allerdings bereits geplant. „Sie wird in zwei Schritten erfolgen und für Ende 2010 oder in 2011 zunächst für die neurogene Blasenfunktionsstörungen erwartet“, sagt Dr. Ophoven, Seifs Kollege bei der DGU.




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