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Redaktion apotheken.de » Gesundheit und Politik » Arzneimittelversorgung

Clozapin: Sicherer als angenommen


Therapieempfehlungen für Schizophrenie könnten sich ändern


Clozapin ist das Antipsychotikum mit der niedrigsten Sterblichkeitsrate. Eine neue Studie zeigt, dass weniger Patienten mit Schizophrenie sterben, wenn sie Clozapin einnehmen. Bisher wurde aufgrund von Sicherheitsbedenken dessen Verwendung von Arzneimittelbehörden eingeschränkt.

Medikament mit Nebenwirkungen

Clozapin ist ein Antipsychotikum, das vor etwa 30 Jahren in Deutschland eingeführt wurde. Aufgrund seiner Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme oder Diabetes mellitus ist es allerdings schon vor Jahren in die Kritik geraten und wurde deshalb zurückhaltend verschrieben. Um die Nebenwirkungen zu kontrollieren, muss bei Einnahmen von Clozapin wöchentlich das Blutbild kontrolliert werden. Viele Psychiater verschreiben daher lieber andere Antipsychotika. Diese Medikamente werden zur Behandlung von Psychosen mit Wahn und Halluzinationen, vor allem Schizophrenien, eingesetzt werden.

Der Psychiater Jari Tiihonen von der Universität Kuopio in Finnland hat nun mit seinen Mitarbeitern bei 67.000 finnische Patienten mit Schizophrenie den Einfluss der Medikamente untersucht. Schizophrenie-Patienten leiden unter Wahnvorstellungen und Sinnestäuschungen. 10 Prozent der Betroffenen begehen Selbstmord. Die Forscher verglichen die Sterblichkeitsrate der Schizophrenie-Patienten mit jener der Gesamtbevölkerung. Sie stellten dabei fest, dass sie generell früher sterben. Die Sterblichkeit der Schizophrenie-Betroffenen hat sich leider nicht an die der Allgemeinbevölkerung angeglichen, obwohl während des elfjährigen Untersuchungszeitraums von 1996 bis 2006 vermehrt Antipsychotika einer neuen Generation in der Therapie eingesetzt wurden.
Trotzdem ergab die Studie, dass die Patienten länger lebten, wenn sie generell mit Antipsychotika behandelt wurden, im Gegensatz zu jenen ohne Therapie. Die Befürchtung, dass die Medikamente das Leben der Betroffenen verkürzen, wurde somit nicht bestätigt.

Clozapin verringert Sterblichkeit

Die Sterblichkeit war jedoch entscheidend davon abhängig, welche Medikamente die Betroffenen bekamen. Laut der Studie senkt Clozapin das Sterblichkeitsrisiko um 26 Prozent. Zum Vergleich: Quetiapin, das Standardmittel der alten Generation erhöht das Risiko um 41 Prozent.

Die finnischen Forscher schließen aus ihren Ergebnissen, dass Clozapin bei Schizophrenie häufiger eingesetzt werden sollte: "Die Einschränkungen im Gebrauch von Clozapin und Thioridazin wurden ohne übergreifende Risiko-Nutzen-Abschätzung angeordnet. Unsere Ergebnisse lassen vermuten, dass diese Instruktionen und Empfehlungen (abgesehen von der Blutüberwachung) weltweit Tausende vorzeitige Todesfälle verursacht haben könnten von Patienten, die andere mit einem höheren Sterblichkeitsrisiko assoziierte Neuroleptika eingenommen haben. Unserer Meinung nach sollten solche Restriktionen und Empfehlungen auf solider wissenschaftlicher Beweislage zur Sicherheit von Medikamenten beruhen.“


23.07.2009 | Von: Judith Kaiser