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Der Wunsch, schmerzfrei zu sterben


Palliativversorgung verbessern


Bei der Versorgung von Sterbepatienten gilt es vor allem, Schmerzen und Angst zu lindern. Andere Medikamente können oftmals abgesetzt werden, betonen Experten auf dem Deutschen Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt.

Am Lebensende rückt Schmerztherapie in den Vordergrund

Die Palliativmediziner sind Fachärzte für die Behandlung von Patienten, deren Lebenserwartung durch eine fortschreitende Krankheit begrenzt ist. Hierbei handelt es sich meist um eine Krebserkrankung: Weltweit sterben jährlich etwa 50 Millionen Menschen daran. Krebskranke leiden in fortgeschrittenem Stadium meist an Schmerzen, obwohl nach Schätzungen 90 % von ihren quälenden Beschwerden befreit werden könnten. Grund hierfür sei, dass viele Ärzte weiterhin versuchen, die Patienten zu heilen, auch wenn sie nicht heilbar sind, sagt der Palliativmediziner Thomas Nolte auf dem Schmerz- und Palliativtag. Dabei vernachlässigen sie die Schmerztherapie.
Laut Matthias Thöns vom Palliativnetz in Bochum müssen Ärzte, die Patienten in der Sterbephase behandeln, aber umdenken: Die Linderung von Schmerzen, Angst, Atemnot und Übelkeit ist Therapieziel und nicht mehr die Heilung. Thöns rät dazu, im Gegenzug Medikamente abzusetzen, die einem Todkranken ohnehin nicht mehr helfen, beispielsweise Entwässerungstabletten oder blutdrucksenkende Mittel. Es entlastet die Patienten, wenn sie weniger Tabletten schlucken müssen und sie leiden unter weniger Neben- und Wechselwirkungen.

Nasenspray als Schmerztherapeutikum

Eine Schmerztherapie basiert meist auf Medikamenten. Palliativpatienten erhalten in der Regel Opioide, also Opiumvarianten wie beispielsweise Morphium. Die Medikamente können gespritzt, als Schmerzpflaster oder in Form von Lutschtabletten verabreicht werden.
Weniger bekannt sind Opioide in Form von Nasenspray. Es enthält das synthetisch hergestellte Opioid Fentanyl und wird von einigen Apotheken auf Wunsch des behandelnden Arztes angefertigt. Das Nasenspray wirkt genauso schnell und stark wie gespritzte Medikamente. Bei Notfällen wie akuter Atemnot oder einem starken Schmerzschub kann sich der Patient durch einen Hub schnell selbst helfen und muss nicht auf den Notarzt warten.
Thomas Sitte vom Palliativnetz Osthessen in Fulda verschreibt das Präparat seinen Patienten. Seit er das Nasenspray nutzt, ist der Anteil der Kranken, die an ihrem Lebensende in ein Krankenhaus eingewiesen werden, auf wenige Prozent gesunken. So erfüllt sich der Wunsch vieler todkranker Menschen, in vertrauter Umgebung zu sterben.


07.04.2009 | Von: Stefanie Riedl