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Redaktion apotheken.de » Gesund leben | Vorsorge » Forschung verstehen

Ein Gedächtnis für Berührungen


Vergangene Empfindungen bleiben abrufbar


Menschliche Berührungen sind Momentaufnahmen, die ein Leben lang bleiben. Jeder kann sie sich wieder ins Gedächtnis rufen. Wie das genau funktioniert, ergründeten jetzt Neurologen der Berliner Charité.

Berührungsreize in den Fingerspitzen

Bernhard Spitzer und seine Kollegen schlossen 25 gesunde Freiwillige an ein EEG-Gerät an. Damit verfolgten die Forscher, was im Gehirn passiert, wenn Menschen Berührungen wahrnehmen. In der Studie nahmen die Forscher Stimulationsgeräte zur Hand wie sie Blinde zum Lesen der Blindenschrift verwenden. Damit übertrugen sie Vibrationen mit zwei unterschiedlichen Frequenzen auf den Zeigefinger der Teilnehmer. So imitierten sie schließlich zwei verschiedene Berührungen. Um zu verstehen, wie diese im Gedächtnis und abrufbar bleiben, bekamen die Teilnehmer zusätzlich eine Testfrequenz zu spüren. Diese sollten sie dann mit den Ausgangs­frequenzen vergleichen. Das heißt, sie sollten sich bewusst an ihre Empfindung erinnern.

Neues kommt, altes bleibt

Wie sich zeigte, konnten alle Teilnehmer die Berührungen wieder abrufen. Das Gehirn konserviert also das Berührungsempfinden. Die alten Gefühle werden um die neuen ergänzt und im Arbeitsgedächtnis abgelegt. Dieses Gedächtnis bildet einen Teil des Erinnerungsvermögens – es speichert etwa Informationen, die wichtig sind, um das gegenwärtige Geschehen um sich herum zu verstehen.

Was im Gehirn passiert

Beim Erinnern an Berührungen – oder anders gesagt beim Vergleich zweier Frequenzen – kommt es vor allem im Frontallappen zu veränderten Aktivitäten. Hier maßen die Forscher mit dem EEG Gehirnströme einer bestimmten Wellenlänge – die so genannten Beta-Schwingungen. Diese zeigten je nach Frequenz charakteristische Muster. Erinnerten sich die Teilnehmer an einen der Berührungs­reize, konnten die Forscher das am Muster der Beta-Schwingungen ablesen.


10.05.2011 | Von: Dr. nat. med. Anke Kopacek