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Redaktion apotheken.de » Gesund leben | Vorsorge » Forschung verstehen

Einsamkeit im Alter


Alleinstehende leiden öfter an Demenz


Wer in mittlerem Alter alleine lebt, ist offenbar besonders gefährdet, später an Demenz zu erkranken. Verwitwete Menschen sind davon besonders betroffen. Spezielle soziale Förderung für sie könnte sich deshalb lohnen.

Alleinstehende erkranken doppelt bis dreimal so häufig


Demenz ist eine Krankheit, deren Risiko mit zunehmendem Alter steigt. In den meisten Fällen ist die Ursache einer Demenz eine zu Grunde liegende Alzheimer-Erkrankung, oft sind es auch Schlaganfälle oder die Parkinson-Krankheit. Wissenschaftler vom schwedischen Karolinska Institut haben nun herausgefunden, dass Menschen, die eine bestimmte Genvariante in sich tragen und zusätzlich im mittleren Alter alleine Leben, das höchste Risiko haben, an Demenz zu erkranken.

Die Studie der schwedischen Forscher ergab, dass das Risiko vor allem Menschen betraf, die vor dem 50. Lebensjahr alleinstehend waren – egal ob sie getrennt lebten oder ihr Partner bereits verstorben war. Sie haben rund 2.000 Männer und Frauen im Alter von 50 Jahren untersucht und diese Untersuchung 21 Jahre später wiederholt. Getestet wurden die Studienteilnehmer auf die Genvariante, die das Demenzrisiko erhöht und außerdem nach ihrem Familienstand befragt. Dabei wurde klar: Menschen, die in ihrer Lebensmitte alleine lebten, erkrankten doppelt so oft an Demenz wie jene, die in Beziehungen lebten. Verwitwete erkrankten sogar dreimal so oft. Die höchste Rate an Erkrankungen gab es bei den Studienteilnehmern, die zusätzlich noch die Genvariante in sich trugen.

Psychologische Unterstützung für Alleinstehende


Studienleiter Krister Hakansson folgert aus den Ergebnissen, dass die mit der Partnerschaft verbundene soziale und geistige Anregung einen positiven Einfluss ausübt. Die Traumatisierung durch den Verlust des Partners scheine dagegen die Tendenz, an Alzheimer zu erkranken, zu erhöhen. Eine psychologische Unterstützung für Menschen, die ihre Partner verloren haben, sei deshalb sinnvoll. „Wenn sich unser Verdacht bestätigt, könnte sich für die Gesellschaft angesichts der hohen Kosten einer Demenzversorgung eine Interventionsstrategie lohnen“, sagt Hakansson.

In Deutschland gibt es derzeit über eine Million Demenzkranke, weltweit sogar mehr als 25 Millionen. Mit der höheren Lebenserwartung in den Industrieländern werden diese Zahlen noch steigen. Schätzungen gehen davon aus, dass sich die Zahl der Demenz-Patienten in Deutschland in den kommenden Jahrzehnten auf über 2 Millionen erhöhen wird. Weltweit erwarten Experten bis 2040 über 80 Millionen Fälle – das stellt Gesellschaften und Gesundheitssysteme vor große Herausforderungen.


09.07.2009 | Von: Stefanie Grutsch