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Redaktion apotheken.de » Gesund leben | Vorsorge » Forschung verstehen

Erhöhtes Krebsrisiko bei Diabetes


Für diese Krebsarten sind Diabetiker besonders anfällig


Diabetiker haben ein höheres Krebsrisiko, das ist bekannt. Die Ursachen dafür sind Medizinern bisher allerdings ein Rätsel. Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat in der weltweit bisher größten Studie zu diesem Zusammenhang erforscht, welche Krebsarten mit Diabetes in Verbindung stehen. Am größten ist der Einfluss bei Leber- und Bauchspeicheldrüsenkrebs, an Prostatakrebs erkranken Diabetiker dagegen deutlich seltener als der Durchschnitt.

Bis zu sechsmal höheres Risiko

Ärzte wissen bis heute nicht, was hinter dem Zusammenhang zwischen Krebs und Diabetes-Typ-2 steckt: ob beiden Erkrankungen dieselben Risikofaktoren zugrunde liegen oder ob der Diabetes im Körper Vorgänge auslöst, die Krebs begünstigen. Kari Hemminki im Deutschen Krebsforschungszentrum und Kollegen in Schweden und den USA wollten wenigstens wissen, von welchen Krebsarten Diabetiker besonders gefährdet sind. Sie untersuchten die Daten von über 125.000 Schweden, die wegen ihres Typ-2-Diabetes im Krankenhaus behandelt wurden.

So zeigte sich, dass Typ-2-Diabetiker ein erhöhtes Risiko für 24 Krebsarten haben. Am meisten steigt das Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs, an dem Diabetiker sechsmal häufiger erkranken, und Leberzellkrebs, bei dem sich das Risiko vervierfacht. Ein mehr als doppelt so hohes Erkrankungsrisiko beobachteten die Mediziner auch für Nieren-, Schilddrüse-, Speiseröhren- und Dünndarmkrebs.

Prostata profitiert offenbar

Die Studie belegt außerdem, dass Typ-2-Diabetiker deutlich seltener an Prostatakrebs erkranken. Das gilt vor allem für Betroffene, in deren Familie es noch andere Diabetesfälle gibt. Je mehr zuckerkranke Angehörige, desto geringer das persönliche Prostatakrebsrisiko. „Über die Gründe dafür können wir bislang nur spekulieren“, sagt Hemminki. „Möglicherweise ist ein niedrigerer Spiegel an männlichen Geschlechtshormonen bei Diabetikern mit verantwortlich.“

Er und seine Kollegen werteten für diese Untersuchung Daten aus, die von 1964 bis 2007 in Schweden bei jeder Krankenhausentlassung an ein Register gemeldet wurden. Diese Daten wurden mit dem schwedischen nationalen Familien-Krebsregister kombiniert, das seit 1958 alle Krebsfälle des Landes erfasst. Da das Krebsregister mit einem Mehrgenerationenregister verknüpft ist, können auch Krebsfälle unter den Eltern und Geschwistern der Patienten verfolgt werden.


20.05.2010 | Von: Stefanie Grutsch