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Diagnosefinder
Erstes Cannabis-Medikament verfügbar
Arznei bei multipler Sklerose zugelassen
Seit diesem Jahr dürfen Ärzte in Deutschland Arzneien aus Cannabis verschreiben. Diese sollen Schmerzen bei Krebspatienten oder schwer kranken Menschen lindern. Nun kommt das erste cannabishaltige Fertigmedikament zur Behandlung der multiplen Sklerose auf den Markt. Es steht Patienten vom 1. Juli 2011 an zur Verfügung.
Wirkung ohne Drogenrausch
Spricht man von Cannabis, meint man die Blüten, Blätter oder den Harz der weiblichen Pflanze des indischen Hanfs. Bekanntheit erlangt hat Cannabis vor allem als illegale psychoaktive Droge. Der Inhaltsstoff, der rauschähnliche Zustände verursacht, heißt Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC).
Auch das neue Cannabis-Medikament Sativex® enthält THC. Allerdings kombiniert mit dem Wirkstoff Cannabidiol (CBD). Diese Kombination verhindert, dass Patienten einen Rausch erleben – denn CBD bremst den psychoaktiven Effekt von THC. Damit besteht auch keine Gefahr, durch die regelmäßige Einnahme des Medikaments abhängig von Cannabis zu werden.
Aufgabe: Spastiken beheben
Das Cannabis-Mittel soll bei Patienten mit multipler Sklerose (MS) zum Einsatz kommen, die mittel bis schwer unter Spastiken leiden. Das heißt, sie kämpfen mit verkrampften und übermäßig angespannten Muskeln an Rumpf und Beinen. Solche Spastiken sind Folge von Schäden im Gehirn und Rückenmark. Dort greift ein fehlgeleitetes Immunsystem die Schutzschicht der Nervenzellen an – genauer die Markscheide. Je stärker diese Schicht schwindet, umso stärker äußern sich die Symptome.
Bisher helfen dagegen Wirkstoffe wie Baclofen oder Clonazepam – nicht alle Patienten aber sprechen gut darauf an. Sie sollen nun von dem neuen Cannabis-Medikament profitieren. In der Zulassungsstudie wirkte das Medikament bei etwa drei Viertel der Patienten. Die Symptome verbesserten sich bei ihnen um mindestens 30 Prozent im Vergleich zur Kontrollgruppe, die ein Schein-Medikament einnahm. Die häufigsten Nebenwirkungen: Müdigkeit, Schwindelgefühl, Übelkeit und Schlaflosigkeit.
So wird das Medikament angewendet
Sativex® ist ein Spray, das MS-Patienten selbstständig auf die Mundschleimhaut sprühen. Von dort aus gelangt es in die Blutbahn. Am besten besprüht man bei jeder Anwendung eine andere Stelle der Schleimhaut. Die optimale Dosis liegt laut Studien bei acht Sprühstößen täglich. Diese variiert individuell und muss daher angepasst werden. Das kann bis zu zwei Wochen dauern. Ungeöffnet sollten Patienten das Spray im Kühlschrank lagern, danach genügt Zimmertemperatur.
- Links:
- Die Zulassungsstudie ist im "European Journal of Neurology" online veröffentlicht.



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