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Redaktion apotheken.de » Gesund leben | Vorsorge » Forschung verstehen

Gentechnik: Malaria-freie Mücke


Forscher züchten Mücke, die keine Malaria überträgt


Moskitos sind die Boten, die Malariaerreger vom einen ihrer Opfer zum nächsten übertragen. Einem Forscherteam der Universität von Arizona ist es jetzt gelungen, die Stechmücken genetisch so zu verändern, dass sie gegen Malariaerreger immun sind und sie deshalb auch nicht auf Menschen übertragen.

Übertragung gestoppt

Der Einzeller Plasmodium ist der Erreger der gefährlichen Tropenkrankheit, die die weiblichen Anophelesmücken auf den Menschen übertragen. „Wenn man die Ausbreitung des Parasiten stoppen will, braucht man Moskitos, die hundertprozentig resistent gegen den Erreger sind“, sagt Studienleiter Michael Riehle. Er und sein Team haben das Erbgut der Mücken manipuliert, indem sie bestimmte genetische Informationen ins Genom der Stechmücke eingebracht haben.

Seine Versuche hat das Forscherteam an der Mückenart Anopheles stephensi durchgeführt, die die Malaria auf dem indischen Subkontinent überträgt. „Die genetisch veränderten Stechmücken haben wir mit malariabefallenem Blut gefüttert, doch die Plasmodien haben anschließend niemanden infizieren können“, sagt Riehle. Das Zukunftsszenario wäre, dass die genetisch veränderten Mücken die wildlebenden in der Natur verdrängen und so die Ausbreitung der Malaria eingedämmt wird.

Skepsis unter Experten

Von Seiten anderer Forscher herrscht demgegenüber jedoch Skepsis: „Bis jetzt haben ähnliche Versuche mit veränderten Stechmücken, beispielsweise mit unfruchtbaren Männchen, nicht funktioniert“, kritisiert der Infektionsbiologe Pavel Kovarik von den Max F. Perutz Laboratories in Wien. Der Ansatz sei aus wissenschaftlicher Sicht zwar spannend, aber praktisch nicht umsetzbar. Er könne sich nicht vorstellen, dass man die weltweite Population von Anopheles-Mücken genetisch manipuliert. Der Kampf gegen Malaria wird eher durch Medikamente zu gewinnen sein, glaubt Kovarik.

Jährlich erkranken weltweit rund 250 Millionen Menschen an Malaria, von denen nach Schätzungen der WHO etwa eine Million stirbt. 90 Prozent der Fälle treten in Afrika südlich der Sahara auf. Auch für Urlauber und Reisende ist Malaria eine Bedrohung. Für sie stehen jedoch gute Medikamente sowohl zur Prophylaxe als auch zur Behandlung akuter Erkrankungen zur Verfügung.


20.07.2010 | Von: Stefanie Grutsch (pte)