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Gesunde Familie


Rituale und Gewohnheiten tun Kindern gut


Gesundheitsprobleme fangen häufig schon in der Kindheit an. Übergewicht und Bewegungsmangel bei Kindern sind keine Seltenheit und prägen die Gesundheit der Kleinen ein Leben lang negativ. Gerade in der Frage der richtigen Ernährung für ihre Kinder sind Eltern aber verunsichert, wie die aktuelle AOK-Familienstudie 2010 zeigt. Dabei ist in Sachen Gesundheit das Vorbild und die Einstellung der Eltern entscheidend. Halten sie einige Routinen und Regeln im Familienleben ein, hält das die Kinder gesund und lässt sie auch Stress und Alltag psychisch besser bewältigen.

Sechs Regeln für den gesunden Alltag

Unter der Leitung von Klaus Hurrelmann und Ulrike Ravens-Sieberer vom Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf hat die „Gesellschaft für angewandte Sozialforschung“ im Februar und April 2010 mehr als 2.000 Mütter und Väter zum Alltag mit ihren 4- bis 14-jährigen Kindern befragt. Fast alle hielten es für wichtig, bestimmte Familienrituale mit den Kindern einzuhalten. Die Familien, in denen das klappt, sind auch tatsächlich gesünder. Als besonders wichtig für die Gesundheit der Kleinen erwiesen sich dabei folgende sechs Alltagsroutinen, die den Kindern Sicherheit und Geborgenheit geben:

  • Besuch von Elternabenden
    Eltern, die oft an Schulveranstaltungen teilnehmen, beugen schulischen Problemen vor und damit ihren körperlichen und psychischen Folgen. 96 Prozent der Befragten gaben an, regelmäßig an Elternabenden oder anderen Veranstaltungen teilzunehmen, Väter allerdings wesentlich seltener als Mütter. Nehmen Eltern nicht regelmäßig an diesen Veranstaltungen teil, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass Probleme wie Nervosität, Kopfschmerzen oder Einschlafstörungen die Kinder plagen, schreiben die Autoren.
  • Klare Regeln
    Mehr als 90 Prozent der Befragten geben an, feste Familienregeln zu haben, am häufigsten zum Mithelfen im Haushalt. Eine positive Wirkung auf die Kindergesundheit haben diese allerdings nur, wenn sie in Absprache mit den Kindern festgelegt werden und nicht einfach von oben auferlegt.
    Eine der wichtigsten Regeln: Beschränkung der Zeit vor dem Fernseher und Computer. Kümmern die Eltern sich nicht oder nur manchmal darum, wie lange die Kinder vor dem Fernseher oder dem Computer sitzen, sind diese mit größerer Wahrscheinlichkeit übergewichtig.
  • Gemeinsame Mahlzeiten
    Die meisten Eltern halten gemeinsame Mahlzeiten für wichtig. Auch dass diese die Kinder gesund und fit halten, ist bereits erwiesen (apotheken.de berichtete). In etwa 85 Prozent der Familien gehört das gemeinsame Abendessen zum Familienalltag. Allerdings frühstücken nur etwa 65 Prozent der Eltern mit ihren Kindern, und nur 47 Prozent essen gemeinsam mit ihnen zu Mittag.
  • Regelmäßige Bewegung
    86 Prozent der befragten Mütter und Väter geben an, in ihrem Alltag auch feste Familienrituale für die Hygiene und die Bewegung zu haben. 82 Prozent der Eltern nutzen regelmäßig Gelegenheiten, sich gemeinsam mit ihren Kindern zu bewegen, etwa beim Spazierengehen.
  • „Quality Time“
    Kinder brauchen jeden Tag ein bisschen Zeit, in der sie die ungeteilte Aufmerksamkeit der Eltern bekommen. Regelmäßige Gespräche helfen ihnen, mit den Belastungen in der Schule und anderen Problemen zurechtzukommen.
  • Betreuungsnetzwerk
    Eltern brauchen ein Netzwerk, mit dem sie in belastenden Situationen rechnen können. 77 Prozent der Mütter und Väter geben an, Freunde, Verwandte oder Nachbarn zu haben, mit denen sie sich in solchen Fällen in Verbindung setzen. Je dichter das soziale Netzwerk im Umfeld der Familien ist, umso geringer ist die Stressanfälligkeit der Kinder.

Können Familien nicht alle Regeln umsetzen, ist das nach Angaben der Autoren kein Problem. „Hier gilt: Weniger ist oft mehr. Es ist besser, wenige Regeln konsequent umzusetzen, als von allen etwas gehört zu haben. Hier liegt auch die Chance für stark belastete Eltern und Alleinerziehende“, schreiben die Wissenschaftler.


01.07.2010 | Von: Stefanie Grutsch