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Redaktion apotheken.de » Eltern und Kind » Vorsorge für Kinder

Gift im Spielzeug


Bundesinstitut für Risikobewertung kritisiert EU-Richtlinie


Nach den schlechten Ökotest-Ergebnissen für Kunststoffspielzeug und Trikots (apotheken.de berichtete) meldete sich nun auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zu Wort: Die derzeit gültigen EU-Richtlinien für gefährliche Stoffe wie Weichmacher in Kinderspielzeug seien zu lasch. Selbst für Autoreifen gelten sehr viel schärfere Vorschriften. 

Nachbesserungen von Brüssel gefordert

In einer Stellungnahme des BfR heißt es : „Vor dem Hintergrund einer steigenden Zahl von Krebserkrankungen bei Kindern ist es dringend geboten, die Exposition gegenüber CMR-Stoffen soweit wie möglich zu minimieren.“ CMR bedeutet, dass der Stoff krebserregend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend ist. Unter anderem gehören die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK), die als Weichmacher in Spielzeug eingesetzt werden, dazu.

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner forderte von Brüssel rasche Nachbesserungen. Dies prüft die Europäische Kommission derzeit. Die EU hatte erst vor einem Jahr eine neue Spielzeugrichtlinie verabschiedet, die deutschen Experten aber nicht streng genug ist. Es ist allerdings fraglich, ob Nachbesserungen möglich sind, noch bevor das neue Gesetz 2011 in Kraft tritt.

Mehr Gift als im Rauch von 40 Zigaretten

Die EU-Richtlinie erlaube einen Wert von bis zu 100 Milligramm pro Kilo der PAK-Leitverbindung BaP. Bei dieser Konzentration könnten Kinder binnen einer Stunde über die Haut „ein Vielfaches dessen an krebserzeugendem BaP aufnehmen, was im Rauch von 40 Zigaretten am Tag enthalten ist“, so das BfR in seinem Bericht.

Die Fachleute forderten, die Regelung für Spielzeug der von Lebensmittelkontaktmaterialien anzugleichen. Dort muss die freigesetzte Menge von CMR-Stoffen unter der Nachweisgrenze liegen. Das gilt derzeit nur für Spielzeug für Kinder bis drei Jahren. Kinder reagierten auf Chemikalien wesentlich empfindlicher als Erwachsene, warnte das Bundesinstitut. 

70 Prozent der Proben waren in Ordnung

Das BfR untersuchte den PAK-Gehalt in 104 Spielzeugen. Die gute Nachricht: In etwa 70 Prozent der untersuchten Spielzeugproben wurde kein oder fast kein PAK  nachgewiesen. In 19 Prozent ermittelte das Bundesinstitut Werte zwischen einem und zehn Milligramm. Bei sieben Prozent lag die Belastung zwischen zehn und 100 Milligramm. In 3 Prozent der Proben wurden Spitzenwerte zwischen 100 und 1.000 Milligramm PAK gefunden.


10.12.2009 | Von: Dorothee Steeb; Bild: iStockphoto