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Diagnosefinder
Globalisierung unter Bakterien
Bakterien tauschen Resistenzen aus
Antibiotika sind wertvolle Medikamente. Vorausgesetzt, sie wirken. Denn Bakterien werden in immer kürzerer Zeit gegen Antibiotika resistent. Denn Bakterien kommunizieren miteinander. Sie geben freigiebig eigene Resistenzen an andere Bakterien weiter. Forscher der Universität Göteborg nahmen den bakteriellen Informationsaustausch genauer unter die Lupe.
Völkerverständigung auf Mikroebene
Bakterien geben Resistenzen gegen Antibiotika über so genannte Plasmide an andere Bakterien weiter. Plasmide sind kleine Ringe aus DNA, dem Material, das die Erbinformationen trägt. Sie können frei zwischen verschiedenen Bakterien hin und her wandern. Die Wissenschaftler um Peter Norberg erforschten eine spezielle Plasmid-Gruppe, die für den Transport von Resistenzen bekannt ist.
Sie fanden heraus, dass jene Plasmide in verschiedenen Bakterienarten zuhause sind. Sie können schnell und problemlos zwischen verschiedenen Bakterien hin und her wandern. Dabei spielt es keine Rolle, ob die kommunizierenden Bakterien miteinander verwandt sind, den gleichen Wirt brauchen oder von verschiedenen Kontinenten stammen. Der Austausch klappt immer. Auf diese Weise gelangen Resistenzen auch von harmlosen Bakterien in solche, die für Menschen gefährlich sind.
Viele Infos auf einen Streich
Wenn ein Plasmid seine Resistenzen an das fremde Bakterium weitergibt, können sich bei diesem Vorgang auch neue Resistenzinformationen auf das Plasmid übertragen. So können sich Plasmide wie ein Puzzle aus unterschiedlichen Resistenzstücken zusammensetzen und Bakterien gegen mehrere Antibiotika resistent machen. Solche multiresistenten Bakterien finden sich häufig in Krankenhäusern, da es dort eine Fülle unterschiedlicher Bakterien und Antibiotika gibt.
Resistenzen in die Schranken weisen
Damit Resistenzen sich nicht noch weiter ausbreiten, ist es wichtig, Antibiotika nur dann zu geben, wenn sie auch nötig sind. Obwohl Antibiotika sich nur gegen Bakterien richten, verschreiben Ärzte sie häufig auch bei Virusinfektionen wie Grippe, Erkältung oder Bronchitis. Allein in Deutschland zählen die Krankenkassen jährlich etwa 44 Millionen Kassenrezepte für Antibiotika. So kommen auf jeden vierten Versicherte zwei- bis drei Behandlungen im Jahr. Meistens verordnen die Ärzte dabei Breitbandantibiotika. Diese wirken zwar gegen eine ganze Reihe von Bakterien, im Gegenzug können aber auch alle Erreger resistent werden. Im Labor lässt sich in Speichel- und Urinproben der genaue Bakterienstamm feststellen, um für den Patienten ein gezielt wirkendes Antibiotikum zu finden.
- Links:
- Die Studie zu den Bakterien-Plasmiden können Sie in der Fachzeitschrift Nature Communications nachlesen.



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