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Redaktion apotheken.de » Gesundheit und Politik » Gesundheitspolitik

Heimbewohner häufig mangelernährt


Unausgewogene Ernährung in Heimen führt zu Mangelerscheinungen


In stationären Pflegeeinrichtungen sind mehr als die Hälfte der Bewohner mangelhaft ernährt. Das ergibt eine Studie aus dem Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DEG).

Elf Prozent mangelernährt

Die so genannte ErnSTES-Studie (Ernährung in stationären Einrichtungen für Senioren und Seniorinnen) untersuchte den Ernährungs- und Gesundheitszustand von Menschen in Alten- und Pflegeheimen. Insgesamt waren an der Untersuchung 773 Bewohner über 65 Jahren aus zehn Altenpflegeheimen in verschiedenen Bundesländern beteiligt.

Zu wenig Hilfe

Ein großes Problem zeigte sich schon im Alltag: 50 Prozent benötigen Unterstützung beim mundgerechten Essen, aber häufig fehlt diese Hilfe. Etwa 30 Prozent der Heimbewohner leiden unter Appetitlosigkeit und essen und trinken zu wenig. Viele Heimbewohner trinken nur, wenn sie Pflegekräfte oder Angehörige dazu auffordern. Der Grad der Pflegebedürftigkeit beeinflusst deshalb die Energie- und Nährstoffversorgung um einiges stärker als das Alter der Betroffenen.

"Ernährungsrisiken und Mangelernährung müssen rechtzeitig diagnostiziert werden. Dazu benötigen wir umfangreiche Pflegekonzepte genauso wie die regelmäßige, verpflichtende Weiterbildung der Beschäftigten", sagt Prof. Peter Stehle, Leiter der ErnSTES-Studie.

Vitaminversorgung mangelhaft

Zudem ist der tägliche Verzehr von Gemüse mit 86 Gramm bei Männern und 78 Gramm bei Frauen sehr niedrig. Die von der DGE für eine vollwertige Ernährung empfohlene Menge von 400 Gramm pro Tag wurde in keiner der Einrichtungen erreicht. Besonders gering war der Verzehr von Gemüse in Form von Rohkost. Auch der tägliche Verzehr von Obst lag mit 84 Gramm bei den Männern und 77 Gramm bei den Frauen deutlich unter der wünschenswerten Menge von 250  Gramm pro Tag. Die alten Menschen bekommen deshalb zu wenig  Folat- und Vitamin-C.

Auch andere Vitamine und Mineralstoffe nahmen die Heimbewohner unzureichend auf. Bei Vitamin D erreichten über 90 Prozent der Studienteilnehmer nicht die nötigen Mengen. Ein Vitamin-D-Mangel wirkt sich besonders bei Frauen negativ auf den Knochenschwund (Osteoporose) aus. Auch an Kalzium mangelt es den Heimbewohnern: 82 Prozent der Senioren und 91 Prozent der Seniorinnen nehmen zu wenig Kalzium zu sich.

Die DEG hält deshalb Verbesserungen für dringend notwendig und fordert unter anderem:

  • Die Ernährung muss regelmäßig überwacht und eine entsprechende, rechtzeitige Diagnose von Ernährungsrisiken und Mangelernährung erfolgen, so dass entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden können.

  • Für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Einrichtungen der Altenpflege sollten regelmäßige und verpflichtende Weiterbildungsmaßnahmen stattfinden.

  • Das Thema „Ernährung“ muss stärker in die Ausbildung von Altenpflegern integriert werden.

  • Ernährungsfachkräfte sollten in Altenpflegeheimen verstärkt eingesetzt werden, sowohl in der Küche als auch in der täglichen Arbeit mit den Bewohnern und so für eine optimierte Ernährung sowohl der kranken als auch der gesunden Bewohner verantwortlich sein.

16.07.2009 | Von: Judith Kaiser