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Redaktion apotheken.de » Gesund leben | Vorsorge » Forschung verstehen

Jucken steckt an


Kratzt einer, kratzen alle


Wer sich kratzt, weil es ihn juckt, animiert andere zum Mitkratzen. Jucken wirkt ansteckend, ähnlich wie Gähnen. Das entdeckten jüngst US-amerikanische Forscher der Wake-Forest-Klinik in Winston-Salem.

Zum Kratztest ins Labor

Gil Yosipovitch und seine Kollegen luden 14 gesunde Menschen und 11 Patienten mit Neurodermitis in ihr Labor ein. Menschen, die an Neurodermitis leiden, müssen sich von Natur aus ständig kratzen, weil ihre Haut juckende Ekzeme bildet. Je stärker sich die Patienten kratzen, umso größer ist der Juckreiz. Dadurch kratzen sie sich noch mehr und geraten in einen Teufelskreis. Gesunde Menschen kennen solche Probleme indes nicht.

Nun wollten die Forscher herausfinden, wie die beiden Gruppen im Kratzexperiment reagieren. Dafür bekamen die Teilnehmer zufällig Histamin oder Salzlösung auf den Arm geträufelt. Histamin ist ein Botenstoff, der Allergien auslöst und Juckreiz fördert. Salzlösung hingegen reizt die Haut nicht. Mit der Lösung auf dem Arm sahen die Teilnehmer dann mehrere Videoclips. Dabei beobachteten sie Menschen, die sich entweder kratzten oder nur still dasaßen. Die Reaktionen der Teilnehmer hielten die Forscher dann selbst in einem Video fest.

Kratzer ohne Ausnahme

Im Ergebnis kratzten sich die Teilnehmer immer dann am Arm, wenn sich auch im Video jemand kratzte. Dabei war es unerheblich, ob sie Histamin oder Salzlösung bekommen hatten. Zudem förderte das Videogucken den Juckreiz auch an anderen Körperstellen.

Auf das Bedürfnis, sich zu kratzen, hatte das Histamin also keinen besonderen Effekt. Die Intensität des Kratzens beeinflusste es allerdings schon. Die Teilnehmer mit Histamin auf dem Arm empfanden den Juckreiz deutlich stärker als diejenigen, deren Arm mit Salzlösung beträufelt worden war. Auch kratzten sich die Neurodermitis-Patienten insgesamt stärker als die Gesunden.


24.03.2011 | Von: Dr. nat. med. Anke Kopacek