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Redaktion apotheken.de » Blut, Krebs und Infektionen

Keimgefahr in Automatik-Wasserhähnen


Im Wasser tummeln sich mehr Legionellen


Wasserhähne mit Sensoren versprechen keimfreien Waschgenuss. Einfach die Hände einseifen, unter den Hahn halten und das Wasser läuft von alleine. Mediziner des John Hopkins Hospitals haben das Wasser aus Automatikhähnen nun genauer untersucht. Von Keimfreiheit fehlte dabei jede Spur.

Zum Schutz der Patienten

In Krankenhäusern ist Keimfreiheit das A und O. Alles muss gut desinfiziert sein – von den Händen der Ärzte bis hin zum Operationsbesteck. Auch das Wasser darf nicht mit Keimen belastet sein. Der Grund: Infizieren sich Patienten mit Keimen, kann das tödlich enden. Ihr Immunsystem ist oft so geschwächt, dass selbst sonst ungefährliche Bakterien schwere Infektionen verursachen. Um dieser Gefahr zusätzlich vorzubeugen, ließ das John Hopkins Hospital vor etwa zehn Jahren elektronische Wasserhähne installieren.

Konventionelle versus moderne Technik

Diese Automatikhähne halten jedoch nicht, was sie versprechen. Das entdeckten die Forscher des Krankenhauses, als sie Wasserproben aus 20 manuellen Hähnen mit Proben aus 20 elektronischen Hähnen verglichen. Das Wasser selbst kam dabei aus ein und derselben Leitung. Von den Wasserproben, die aus den Automatikhähnen stammten, waren insgesamt zehn Proben mit Legionellen – den Erregern der Legionärskrankheit – belastet. Im Vergleich dazu tummelten sich diese Bakterien nur in drei Wasserproben aus den normalen Hähnen. Demnach ist die Keimgefahr in elektronischen Hähnen dreimal so groß wie in herkömmlichen Armaturen.

Moderne Armatur als Bakterien-Tummelplatz

Warum sich trotz penibler Desinfektion so viele Legionellen in den Wasserproben tummeln, ist den Forscher noch unklar. Sie vermuten, dass der komplexe Aufbau der Automatikhähne dafür verantwortlich ist. Ihrer Meinung nach liefern zusätzliche Bauteile wie Ventile den Bakterien geeigneten Platz, um sich anzusiedeln. Zudem gelangen die Desinfektionsmittel vermutlich nicht in alle Ecken der Ventile: In der Folge leben die Bakterien unbehelligt und breiten sich aus.

Nun wollen die Forscher gemeinsam mit den Herstellern Methoden entwickeln, mit denen sich die Automatikhähne richtig desinfizieren lassen. Bei dem Klinikteil, der gerade neu entsteht, wollen sie indes wieder manuelle Wasserhähne einbauen lassen.


01.04.2011 | Von: Dr. nat. med. Anke Kopacek