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Redaktion apotheken.de » Gesund leben | Vorsorge » Forschung verstehen

Kräuter als Pestizide


Natürliche Schädlingsbekämpfung mit Kräuteröl


Pestizide zur Schädlingsbekämpfung schleichen sich in Obst, Gemüse und Getreide ein und belasten unsere Nahrung mit Schadstoffen. Eine biologische Alternative wäre Öl aus Rosmarin, Nelken oder Pfefferminze – es schützt effektiv vor Schädlingen.

Gewürzöle töten Insekten


Extrakte aus Kräutern und Gewürzen sind eine umweltverträgliche und gesündere Art, Schädlinge in der Landwirtschaft zu bekämpfen. Dieses Studienergebnis stellt Murray Isman von der kanadischen University of British Columbia vor. Er entwickelte biologische Pflanzenschutzmittel aus einer Mischung von zwei bis vier verschiedenen Kräutern und Wasser. Die Substanzen töten Insekten direkt oder halten sie fern, ohne für den Menschen schädlich zu sein. Im Fokus der Forschung stehen Wirkstoffe aus Rosmarin, Thymian, Gewürznelken und Pfefferminze. Sie blockieren einen Botenstoff der Insekten, das Octopamin, und führen so zu einem regelrechten Kreislaufzusammenbruch bei den Schädlingen. „Octopamin hat einen beruhigenden Effekt auf das Insekt – wie natürliches Valium. Wird es blockiert, kommt es zu Überaktivität und zum schnellen Tod des Insekts.“

Schädlinge werden nicht resistent


"Die neu entwickelten Produkte erweitern die bisher beschränkten Möglichkeiten, Schädlinge in der biologischen Landwirtschaft zu bekämpfen. Bisher gibt es nur wenige dafür geeignete Insektizide, doch ihre Zahl steigt ständig", sagt Studienleiter Isman. Anders als chemische Pestizide gibt es mit den Gewürzmischungen laut Isman bei Zulassungsbehörden keine Probleme. Er und sein Team haben schon Präparate entwickelt, die fertig für den Einsatz sind und bald auf den Markt kommen.
"Ein wichtiger Vorteil unserer Methode ist, dass die bekämpften Insekten keine Resistenzen entwickeln", sagt Isman. Sie sei auch sicherer für Beschäftigte in der Landwirtschaft, die gewöhnlich den giftigen Pestiziden ausgesetzt sind. Zudem können die Gewürzöle auch in der Nähe von Gewässern versprüht werden, ohne diese zu verschmutzen.

Auch zu Hause einsetzbar


Warum biologische Schädlingsbekämpfung bislang trotzdem selten eingesetzt wird, hat mehrere Gründe. Die ätherischen Pflanzenöle etwa verdunsten zu schnell, so dass die Bauern einen viel größeren Arbeitsaufwand haben. "Die Wirkung von manchen Essenzen vergeht sogar schon nach einigen Stunden, während herkömmliche Pestizide tage- bis monatelang wirken", räumt Isman ein. Um diesen Nachteil aufzuholen, suchen die Forscher derzeit nach Methoden, die neuen Wirkstoffe länger haltbar und stärker zu machen.

Die Gewürzextrakte sind also nicht die ultimative Lösung für die Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft. In Sachen Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeit haben sie aber eindeutige Vorteile. Diese lassen sich bald auch in privaten Haushalten nutzen. Dort lohnt es sich, ein paar Mal öfter zu sprühen, aber dafür ungiftig. So kann man auch Kräuterpflanzen für den Küchengebrauch vor Schädlingen schützen. Die neuen Mittel bekämpfen außerdem Kakerlaken, Ameisen, Hornissen, Fliegen und jede Menge anderer Insekten.


27.08.2009 | Von: Stefanie Grutsch