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Redaktion apotheken.de » Blut, Krebs und Infektionen

Denkprobleme durch Krebstherapie?


Gedächtnislücken bei Chemotherapie nur scheinbar groß


Viele Krebspatienten klagen nach einer Chemotherapie über Einschränkungen ihrer geistigen Fähigkeiten, vor allem über Konzentrations- oder Gedächtnisprobleme. Mittlerweile wurden solche Beeinträchtigungen auch objektiv nachgewiesen. Sie sind aber mild und treten nur bei einem Teil der Patienten auf.

Kein Zusammenhang nachweisbar

Die Patienten, die über solche Beeinträchtigungen klagen, schneiden in Gedächtnis- und Konzentrationstests weder besser noch schlechter ab als andere. In einer groß angelegten Untersuchung an der Uniklinik München mit über 100 Brustkrebspatientinnen wurde dieser Widerspruch jetzt untersucht. Das Ergebnis: es besteht kein Zusammenhang zwischen subjektiv empfundenen und objektiv nachweisbaren geistigen Einschränkungen.

Patientinnen, die von Beeinträchtigungen ihrer geistigen Fähigkeiten berichteten, litten aber vermehrt unter depressiven Verstimmungen und neigten allgemein zu negativen Gefühlen. Auch die Intensität der Chemotherapie beeinflusste den subjektiven Eindruck geistiger Beeinträchtigung, während sie für die objektiven Testergebnisse keine Rolle spielte. 

Die Leiterin der Studie, Dr. Kerstin Hermelink, schließt daraus, dass eine negative Einstellung und schwere Behandlung mit vielen Nebenwirkungen zu pessimistischen Einschätzungen der eigenen geistigen Leistungsfähigkeit führen. Das ist ganz unabhängig davon, ob nachweisbare Störungen auftreten  oder nicht. 

Beschwerden ernst nehmen und behandeln

Beschwerden über einen Verlust geistiger Leistungsfähigkeit nach einer Chemotherapie sollten dennoch unbedingt ernst genommen werden, betont Hermelink. „Selbst empfundene Einschränkungen stellen für ohnehin schon sehr belastete Patienten eine weitere Belastung dar und sollten deshalb behandelt werden. Allerdings hilft es niemandem, hinter den Beschwerden über Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme grundsätzlich Schädigungen durch die Chemotherapie anzunehmen. Im Gegenteil - das kann Erwartungen und Ängste wecken, die den subjektiven Eindruck der Probleme eher noch fördern.“


15.02.2010 | Von: Dorothee Steeb