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Redaktion apotheken.de » Gesund leben | Vorsorge » Ernährungsmedizin

Lust auf Kartoffeln mit Algenquark?


Forscher entwickeln Lebensmittel aus Nordseealgen


In Ländern wie Japan oder Korea ist Seetang eine beliebte Delikatesse. Ob als Salat oder in der Suppe – die vitaminreiche Meerespflanze schmeckt Asiaten in vielen Varianten. Nun wollen Wissenschaftler aus Bremerhaven Algen auch für die deutsche Küche salonfähig machen. In einer ersten Kostprobe brachten sie bereits freiwillige Tester auf den Geschmack.

Nahrhafte Algen aus der Nordsee

Seetang gehört zu den Makroalgen. Im Vergleich zu mikroskopisch kleinen im Wasser schwimmenden Algen, sind diese fest im Meeresboden verankert. Auch ähneln sie in Größe und Aussehen eher Farnpflanzen. In Makroalgen stecken viele Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und Ballaststoffe. An Fetten hingegen mangelt es ihnen. Nicht ohne Grund gelten Algen deshalb als nahrhaft und gesund. Statt Seetang aus dem Pazifischen Ozean verarbeiten die Forscher des TTZ Bremerhaven Makroalgen aus der Nordsee. Daraus kredenzen sie – zusammen mit einer nordfriesischen Molkerei – Quark, Frischkäse und andere Milchprodukte. Die Forscher nennen diese Erzeugnisse Algaefood.

Eine Portion Algenquark mit wenig Jod bitte

Bevor die Nordsee-Makroalgen allerdings in den Mixer kommen, müssen sie bestimmte Eigenschaften haben: Sie dürfen weder mit Schwermetallen belastet sein noch zu viel Jod enthalten. In Algen, die direkt aus dem Meer stammen, steckt oft viel davon. Einerseits, weil die Algen Salz aus dem Wasser aufnehmen und andererseits, weil Kraftstoff aus den Schiffen ins Meer gelangt – und so später auch in die Algen.

Damit die Pflanzen für den Algaefood den Vorgaben entsprechen, verwenden die Forscher für ihre Produkte nur speziell gezüchtete Algen – insbesondere die Braunalge Laminaria saccharia. Diese enthält etwa zehnmal weniger Jod als eine ausgewachsene Makroalge aus dem Meer. Von der Braunalge landet dann so viel im Quark, dass die Menge an Jod bei 0,047 Milligramm pro 100 Gramm liegt. In 100 Gramm Frischkäse versteckt sich etwas mehr Jod – nämlich 0,092 Milligramm. Damit enthält eine 100-Gramm-Portion etwa ein Viertel bis die Hälfte der empfohlenen Tagesdosis von 0,2 Milligramm Jod.

Algaefood im Verkostungstest

Neben den richtigen Inhaltsstoffen, kommt es aber auch auf den Geschmack an. Denn, was nicht schmeckt, versauert in den Supermarktregalen. Wie Quark und Frischkäse mit Nordseealgen schmecken, ermittelten die Forscher in einem ersten Test. Sie ließen 60 Frauen und Männer im Alter von 20 bis 65 Jahren verschiedene Algen-Milchprodukte kosten – serviert auf einem Teller. So sollte die Meinung der Teilnehmer nicht vom Hersteller oder vom Aussehen der Verpackung beeinflusst werden.

Im Ergebnis zeigten sich die Verkoster dem Algaefood gegenüber aufgeschlossen. Würden künftig Produkte aus Algen im Regal stehen, würden Einige wohl zum nächsten Pellkartoffelessen mal Algen- statt Kräuterquark auftischen.


07.04.2011 | Von: Dr. nat. med. Anke Kopacek