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Redaktion apotheken.de » Gesundheit und Politik » Arzneimittelversorgung

Neues Präparat bei Multipler Sklerose


EU-Kommission erteilt Zulassung


Seit letztem Herbst erhalten Patienten mit Multipler Sklerose in den USA, Australien, Kanada und der Schweiz den neuen Wirkstoff Fingolimod. Nun können auch Betroffene in der EU davon profitieren.

Neues Medikament für den akuten Fall

Die europäische Arzneimittelbehörde hatte vor zwei Monaten bereits geraten, Fingolimod zur Behandlung von Multipler Sklerose (MS) in der EU freizugeben. Nun ist die EU-Kommission diesem Rat gefolgt. Das Ergebnis: Patienten mit schwerer schubförmiger MS dürfen neben dem Standardwirkstoff Interferon beta auch den neuen Wirkstoff Fingolimod erhalten. Zudem ist es Ärzten erlaubt, künftig auch solche Patienten damit zu behandeln, bei denen die Erkrankung schnell voranschreitet.

Fingolimod hemmt Entzündungen

Das Ziel einer MS-Therapie ist es, Entzündungen im Gehirn zu stoppen. Diese entstehen, weil das Immunsystem fehlgesteuert ist: Es greift körpereigenes Nervengewebe an und zerstört es. Nervenzellen besitzen normalerweise einen Schutzmantel – die Markscheide. Sie isoliert die Nervenzellen wie eine Gummischicht das Stromkabel. Zerstören Immunzellen die Markscheide, liegen die Nerven irgendwann förmlich blank. In der Folge erleiden Betroffene neurologische Schäden. Kommt es zu Beginn von MS zu vergleichsweise leichten Beschwerden wie Seh- und Empfindungsstörungen, äußert sich die Erkrankung später vor allem durch Lähmungen der Arme und Beine.

Therapie wirksam und verträglich

Fingolimod wirkt solchen schweren Verläufen entgegen, indem es die Immunzellen daran hindert, die Nervenzellen zu zerstören. Auch reagiert der Wirkstoff direkt mit den Nervenzellen und fördert die Neubildung von Gewebe. Nach Angaben des Herstellers schafft es Fingolimod so, die Zahl der Entzündungsschübe innerhalb von zwölf Monaten um 50 Prozent zu senken. Zudem scheinen Patienten das neue Medikament gut zu vertragen. Von 4.000 Patienten, die Fingolimod in einer Zulassungsstudie erhielten, nehmen laut des Herstellers 140 Patienten das Präparat schon sechs Jahre lang ohne große Nebenwirkungen ein.


23.03.2011 | Von: Dr. nat. med. Anke Kopacek