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Redaktion apotheken.de » Stoffwechsel
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Nutzen von Diabetes-Medikamenten


Nutzen von Gliniden wissenschaftlich nicht nachgewiesen


Glinide sind Arzneistoffe, die bei Typ-2-Diabetikern den Blutzuckerspiegel senken sollen. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) stellte nun fest, dass der Nutzen von Gliniden nicht belegt ist, weil Studien dazu fehlen.

Glinide und andere Diabetesmedikamente


Typ-2-Diabetes kennt man auch unter der Bezeichnung „Altersdiabetes“, da er sich im Gegensatz zum Typ-1-Diabetes gewöhnlich erst in höherem Lebensalter entwickelt. Anders als bei Typ-1 leiden Typ-2-Diabetiker nicht an einem absoluten Insulinmangel, sondern an einer verminderten Insulinempfindlichkeit. Glinide regen die Bauchspeicheldrüse dazu an, mehr Insulin zu produzieren. Dadurch nehmen die Körperzellen wieder mehr Zucker auf und der Blutzuckerspiegel sinkt.

In Deutschland sind zurzeit zwei Glinide verfügbar: Repaglinid und Nateglinid. Im Gegensatz zu manchen anderen blutzuckersenkenden Medikamenten setzt ihre Wirkung rasch ein: Wenn man sie vor dem Essen einnimmt, wirken sie schnell genug, um den Anstieg des Blutzuckerspiegels nach dem Essen zu verringern.

Keine Langzeitstudien für Glinide vorhanden


Die Wissenschaftler des IQWiG fanden nur zehn Studien zu Gliniden, die ihren Mindestanforderungen genügten – etwa mit einer Mindestdauer von einem halben Jahr. Keine einzige der Studien zu Gliniden hatte länger als vierzehn Monate gedauert. Die wichtige Frage, ob Glinide Diabetes-Folgeerkrankungen beeinflussen können, ist bislang unbeantwortet und das obwohl die in Deutschland zugelassenen Glinide seit über sieben Jahren im Handel sind.

Außerdem gibt es kaum Vergleiche mit anderen Medikamenten, und laut den wenigen vorhandenen haben Glinide keine Vorteile gegenüber anderen Blutzuckersenkern. Das IQWiG kam insgesamt zu dem Ergebnis, dass weder ein Zusatznutzen gegenüber anderen Medikamenten, noch überhaupt ein Nutzen von Gliniden wirklich belegt seien.

Einfluss auf Herzinfarktrisiko


Diabetiker sterben häufig an einem Herzinfarkt. Deshalb interessiert die Wissenschaftler zurzeit vor allem, ob Diabetesmedikamente das Risiko für einen Herzinfarkt senken können. Auch zu diesem wichtigen Thema fanden sich keine Daten, die eine deutliche Aussage für Glinide erlaubt hätten.

Die Wissenschaftler des IQWiG kommen zu dem Schluss, dass bei den Gliniden noch Forschungsbedarf besteht. Vor allem Langzeitstudien und Vergleiche mit modernen blutzuckersenkenden Medikamenten sollten nachgeliefert werden, genauso wie Untersuchungen über die Wirkung auf das Herzinfarktrisiko.


15.06.2009 | Von: Stefan Holler/Sybille Knauß