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Redaktion apotheken.de » Gesund leben | Vorsorge » Forschung verstehen

Operation gegen schwere Depression


Neuartiger Eingriff: tiefe Hirnstimulation am Gehirn


Neurochirurgen des Universitätsklinikums Heidelberg haben weltweit erstmals eine Patientin, die an einer schweren Depression litt, erfolgreich durch die Stimulation der so genannten Habenula, einer winzigen Nervenstruktur im Gehirn, behandelt. Wissenschaftliche Untersuchungen hatten gezeigt, dass die Habenula bei einer Depression hyperaktiv ist und dadurch die Balance der Nervenübertragungsstoffe im Hirnstamm gestört wird. Der 64 Jahre alten Frau, die seit ihrem 18. Lebensjahr erkrankt ist, konnten zuvor weder Medikamente noch eine Elektrokrampftherapie helfen. Seit dem Eingriff am 3. Juni 2008 sei sie ohne zusätzliche Therapie beschwerdefrei. 

Medikamente bei Depression nicht immer wirksam 

Rund ein Drittel der Patienten mit Depression spricht auf eine medikamentöse Therapie nicht an. Auch die Elektrokrampftherapie, die bei sehr schweren Fällen angewandt wird, ist nicht immer wirksam. Dies war auch bei dieser Patientin, die bereits zwei Selbstmordversuche hinter sich hat, der Fall.

Bei der tiefen Hirnstimulation werden Elektroden in das Gehirn eingesetzt. Diese sind über Kabel unter der Haut mit einem elektronischen Impulsgeber verbunden. Die Elektroden setzen Strom frei, der kontinuierlich spezifische Hirnareale stimuliert. Diese auch als „Hirnschrittmacher“ bezeichnete Therapie wird bereits erfolgreich bei Patienten eingesetzt, die an der Parkinson-Krankheit oder anderen Bewegungsstörungen leiden. 

Weitere Studie in Vorbereitung 

Aufgrund des Erfolgs bei der mit Hirnstimulation behandelten Patientin, wollen die Wissenschaftler nun auf dieser positiven Erfahrung aufbauen und planen eine klinische Studie. Die Habenula-Stimulation soll dafür an fünf psychiatrisch-neurochirurgischen Zentren in Deutschland bei schwer depressiven Patienten zum Einsatz kommen.


11.01.2010 | Von: Dorothee Steeb