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Diagnosefinder
Placebos: mehr Sein als Schein
Scheinmedikamente wirken auch ohne Glauben
Placebos sind Pillen ohne Wirkstoff. Patienten, die nicht wissen, dass sie Placebos schlucken, berichten oft von Heilungseffekten. Offenbar allein der Glaube, ein echtes Medikament bekommen zu haben, lässt sie genesen. Dieser Placeboeffekt ist schon lange bekannt. Neu allerdings ist, dass er auch dann eintritt, wenn Patienten von der Medikamentenlüge wissen.
Vermerk auf Verpackung ändert nichts
Forscher von der Harvard-Universität behandelten 80 Patienten mit Reizdarmsyndrom. Statt wirksamer Medikamente verabreichten sie der einen Hälfte unwirksame Zuckerpillen. Entgegen der üblichen Praxis verheimlichten die Forscher den Patienten allerdings nicht, dass es sich um ein Scheinmedikament handelt. Sie vermerkten es sogar auf der Verpackung. Die andere Hälfte der Patienten bekam hingegen gar kein Medikament.
Die behandelten Patienten litten vor allem an unangenehmen Bauchschmerzen. Wie sich zeigte, verbesserten sich diese Beschwerden bei denjenigen, die die Zuckerpillen einnahmen, innerhalb von drei Wochen deutlich: Etwa doppelt so viele Patienten in der Placebogruppe berichteten von einer Verbesserung der Symptome.
Auch das Einnahmeritual zählt
Demnach steckt in Placebos mehr als nur Schein. Mit dem Glauben der Patienten allein lässt sich nicht völlig erklären, warum Scheinmedikamente wirken. Auch das medizinische Ritual der Pilleneinnahme scheint die Placebowirkung zu beeinflussen. Worauf diese jedoch genau beruht, müssen noch weitere Studien belegen. Dennoch, zwei Dinge lassen sich schon jetzt ableiten: Erstens, der Placeboeffekt ist komplexer als gedacht und zweitens, Ärzte und Forscher, die Placebos einsetzen, brauchen dies nicht verheimlichen: Wirken tun sie trotzdem.
- Links:
- Die Placebostudie wurde im Fachmagazin "PLoS One" online veröffentlicht.



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