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Redaktion apotheken.de » Eltern und Kind » Vorsorge für Kinder

Pubertät: Mehr Verstand als Gefühl


Erwachsenwerden in versetzten Entwicklungsphasen


Die emotionale Entwicklung von Jugendlichen verläuft nicht gleichzeitig mit der intellektuellen. Während die Intelligenz mit 16 Jahren meist voll entwickelt ist, dauert es wesentlich länger, bis Mädchen und Jungen auch emotional reif sind. Zu diesem Schluss kommen Psychologen der Temple University in der Zeitschrift American Psychologist.

Jugendliche sind schlau und unreif zugleich

In Tests überprüften die Wissenschaftler bei 1.000 Versuchspersonen im Alter zwischen zehn und 30 Jahren die kognitiven und emotionalen Fähigkeiten. "Jugendliche haben intellektuell alle Voraussetzungen, um überlegte Entscheidungen zu treffen. Es fehlt ihnen jedoch oft an sozialer und emotionaler Reife, um impulsives Verhalten zu kontrollieren, dem Gruppendruck zu widerstehen oder die Gefährlichkeit mancher Entscheidungen einzusehen", fasst Studienleiter Laurence Steinberg die Ergebnisse zusammen.

Selbstregulierung ist bei Emotionen wichtig

16-jährige schneiden in IQ-Tests etwa gleich gut ab wie junge Erwachsene, wobei diese Tests allein formale Denkaspekte prüfen. "Die emotionale und soziale Intelligenz ist jedoch weitaus vielfältiger und schwieriger zu messen", betont Ursula Kastner-Koller von der Universität Wien. "Manche Jugendliche sind sehr weit in der kognitiven Entwicklung fortgeschritten und fallen in der emotionalen zurück, bei anderen ist es umgekehrt." Auf emotionaler Ebene ist die Selbstregulierung ein wichtiger Faktor. Diese zeigt sich besonders in Situationen, in denen sie mit emotionalen Herausforderungen wie Ärger und Traurigkeit umgehen müssen.

Eltern können Unterstützung sein

Kinder im Alter von zwei bis vier Jahren lernen bereits die eigene Stimmung zu kontrollieren statt sich von Gefühlen völlig beherrschen zu lassen. Eltern können diese Entwicklung fördern, indem sie freundliche Zuwendung und kindgemäße Anforderungen gleichermaßen bieten. "Im Jugendalter wird das Entwicklungsthema Selbstregulation wieder aufgegriffen, da die Heranwachsenden verschiedene Bereiche neu integrieren und steigenden Herausforderungen ihrer Umwelt gerecht werden müssen. Die Privilegien der Kindheit sind vorbei und es gilt, sich die Fähigkeiten von Erwachsenen wie etwa die Berufstätigkeit anzueignen oder für sich selbst sorgen, was von Jugendlichen als bedrohlich wahrgenommen werden kann", sagt die Psychologin.

Neuvernetzung im Gehirn

Die Desorientierung, die bei Pubertierenden oft zu erkennen sei, gehe auf neue Vernetzungen im frontalen Teil des Gehirns zurück, der für die Handlungssteuerung verantwortlich ist. "Auch in dieser Phase, in der die Beziehung zum Kind oft schwierig wird, sollten Eltern ihm viel Zuwendung schenken. Lernt ein Jugendlicher, seine Emotionen zu regulieren, trägt das zu einer positiven Identitätsfindung in der Gesellschaft bei", betont Kastner-Koller.


21.10.2009 | Von: Susanne Kemmer (pte)