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Rabattverträge belasten Apotheker und Ärzte
Wissenschaftler nehmen Arzneimittel-Rabattverträge unter die Lupe
Rabattverträge haben vor allem das Ziel, Kosten bei den Krankenkassen zu sparen. Dass das mit einer erheblichen Mehrbelastung für Patienten, Ärzte und Apotheker verbunden ist, belegt jetzt eine wissenschaftliche Studie der Hochschule Fresenius. Die Umstellung auf rabattierte Medikamente bedeutet für die Ärzte und Apotheker einen großen zeitlichen Aufwand.
Kassen klären Patienten nicht über Umstellung auf
Krankenkassen schließen mit Pharmaherstellern Rabattverträge um Kosten zu sparen. Sie garantieren, dass ihre Versicherten nur Medikamente des einen Herstellers bekommen, dafür liefert der billiger. Meist geht es dabei um günstigere Nachahmerprodukte, so genannte Generika. Seit 2007 ist dieses Verfahren auch für die Apotheker verbindlich: sie sind verpflichtet in jedem Fall das durch Rabattverträge festgelegte Medikament abzugeben. Das Problem: die Patienten wissen darüber nicht Bescheid und der Apotheker muss sie erst über die Rabattverträge aufklären. Die Studie ergab, dass mehr als die Hälfte der Patienten erstmals in der Apotheke über die Umstellung auf das rabattierte Produkt informiert werden. Immerhin 24 Prozent geben an, dass ihr Arzt sie über die bevorstehende Umstellung informiert hat. Die Kassen, bei denen die Aufklärungspflicht eigentlich läge, halten sich zurück.
Generika verursachen mehr Nebenwirkungen
Während für Ärzte und Apotheker ein Mehraufwand entsteht, haben die Patienten mit Nebenwirkungen zu kämpfen, die die Generika verursachen. 49 Prozent der befragten Patienten klagen über Nebenwirkungen nach der Umstellung auf ein rabattiertes Arzneimittel. Jeder Vierte gibt sogar an, starke Nebenwirkungen zu erleiden. 63 Prozent wollen grundsätzlich ihr altes Medikament wieder zurück. Dafür sind etwas mehr als die Hälfte dieser Patienten bereit, eine Aufzahlung zu leisten, am ehesten diejenigen mit den stärksten Nebenwirkungen. Zudem mussten 9 Prozent aller Befragten mussten auf Grund der Umstellung sogar im Krankenhaus behandelt werden. Jedem Vierten der Befragten entstanden außerdem finanzielle Mehrkosten – etwa für ergänzende Medikamente, Rückumstellungen, Pflege- und Betreuungskosten oder Fahrtkosten, weil zusätzliche Arztbesuche nötig waren.
Wissenschaftler fordern Umdenken
Die Studienleiter kommen zu dem Schluss, dass es zu kurz greift, die Rabattverträge allein nach der Ersparnis zu beurteilen, wie es bei den Kassen üblich sei. Ihre Ergebnisse seien deutliche Hinweise darauf, dass sich die Verträge medizinisch aber auch wirtschaftlich negativ auswirken. Ihr Fazit: „Ergänzend zu der bereits eingeführten Kosten-Nutzen-Bewertung von neuen Arzneimitteln sollte die Politik darüber nachdenken, im Hinblick auf die aufgezeigten Nebenwirkungen von Rabattverträgen für Generika eine Sparen-Schaden-Bewertung einzuführen oder das Instrument der Rabattverträge grundsätzlich zu überprüfen. Dabei sollte sie die Mehrbelastungen für Versicherte, Ärzte und Apotheker mit einbeziehen.“



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