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Schlafstörungen nicht unterschätzen
Schlafwandler gefährden sich und ihre Umwelt
Die Auswirkungen von Schlafstörungen wie Schlafwandeln und Nachtschreck auf die Betroffenen und deren Umwelt sind nicht zu unterschätzen. Neben leichten bis schweren Verletzungen kann es zu traumatischen Erlebnissen kommen. Menschen, die schlafwandeln oder plötzlich in der Nacht hochschrecken, können aggressiv bis panisch reagieren und damit auch ihre Mitmenschen bedrohen.
Träumen auch außerhalb der Traumphasen
Den Ursachen für das aggressive Verhalten ist erstmals die Pariser Forschergruppe um die Neurologin Isabelle Arnulf auf die Spur gekommen. Wie die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Sleep“ berichten, erleben Patienten, die schlafwandeln und an Nachtschreck leiden, traumähnliche Zustände. Dabei entstehen Bilder und Gedanken, die mit einer Vielzahl negativer Gefühle und Erlebnisse verbunden sind.
Schlafwandeln und Nachtschreck sind die am häufigsten auftretenden als Parasomnien bezeichneten Tiefschlafstörungen. „Beide Erscheinungen kommen meist bei Kindern vor, betreffen aber auch noch drei Prozent der Erwachsenen“, sagt Birgit Högl, Neurologin und Präsidentin der österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung.
Während des Schlafens wechseln sich Wach- und Tiefschlafphasen ab. In den Wachphasen, die auch als Traum- oder REM-Phasen bekannt sind, werden eine Fülle von Emotionen und Erlebnissen in Traumbildern verarbeitet. Das Phänomen des Träumens wurde bisher ausschließlich den Traumphasen zugeordnet. Die Annahme der Wissenschaftler, dass innerhalb der Tiefschlafphasen keine Traumzustände erlebt werden, gerät durch die Studie ins Wanken. „Nun bestätigen sich die Hinweise, dass sich Menschen mit Parasomnien auch außerhalb der REM-Phase an Traumfragmente erinnern können“, sagt Högl.
Träume verbunden mit Sorge und Aggression
Die Schlafforscher untersuchten 38 Patienten, die an schweren Tiefschlafstörungen litten. 71 Prozent von ihnen erlebten traumähnliche Phasen. In den meisten Fällen wurden die Erlebnisse in einem einzelnen Bildmotiv nachempfunden. Die verarbeiteten Bilder waren ausschließlich mit negativen Gefühlen verbunden: 24 Prozent der Patienten erlebten Aggression, 54 Prozent spürten Unglück und 84 Prozent fühlten Besorgnis. Zusätzlich litten die Betroffenen häufig an schwerer Tagesschläfrigkeit und wachten häufiger aus der Tiefschlafphase auf als gesunde Probanden.
Der Studie zufolge ist Schlafwandeln ernst zu nehmen. Die Forscher sehen einen klaren Zusammenhang zwischen der komplexen mentalen Aktivität des Gehirns während der Tiefschlafphase und den erlebten Gefühlen. Es ist anzunehmen, dass das Schlafwandeln eine direkte Folge des Erlebten darstellt und zu Aggressionen und Verletzungen bei den Betroffenen führt.
Hilfe bei Schlafstörungen
Untersuchungen im Schlaflabor helfen, eine geeignete Behandlung von Schlafstörungen einzuleiten. „Wenn auch Parasomnien außerhalb des REM-Schlafes noch wenig erforscht sind, gibt es bereits Therapien“, sagt Högl. Neben der medikamentösen Behandlung werden Therapien wie Hypnose oder Selbsthypnose angewendet.
- Links:
- Die Studienergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "Sleep" online veröffentlicht.



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