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Schlaganfall: Aufklärung schwierig
Nur Frauen kommen dank Aufklärung schneller ins Krankenhaus
Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute. Schriftliche Informationsmaterialien sollen die Bevölkerung deshalb über die Symptome aufklären und deutlich machen, wie dringlich eine Behandlung ist. In einem Versuch hatte das den Effekt, dass aufgeklärte Patienten rascher eine Klinik aufsuchten – allerdings nur Frauen. Bei den Männern zeigte die Informationskampagne keine Wirkung.
Schlaganfall ist immer ein Notfall
Das Kompetenznetz Schlaganfall wollte in einer Studie die Zeit zwischen dem Eintreten eines Schlaganfalls und der Behandlung im Krankenhaus verkürzen. Viele Patienten kommen zu spät in die Klinik, weil sie die Symptome falsch interpretieren oder sich vor medizinischer Hilfe scheuen. Das ist folgenschwer, denn bei einem Schlaganfall beginnen die betroffenen Hirnzellen sofort unwiderruflich abzusterben. „Der Schlaganfall ist deshalb immer ein Notfall: Eine rasche Behandlung – innerhalb der ersten drei bis viereinhalb Stunden – ist lebenswichtig“, sagt der Neurologe Christian Nolte von der Charité-Universitätsmedizin. Je schneller ein Schlaganfall behandelt wird, desto größer ist die Chance, Folgeschäden wie Lähmungen und Sprachstörungen zu verringern oder gar zu vermeiden.
75.000 Aufklärungsbroschüren verschickt
Wie effektiv in diesem Zusammenhang eine schriftliche Aufklärung der Patienten ist, untersuchte die Studie des Kompetenznetzes Schlaganfall. Etwa 75.000 zufällig ausgewählte Berliner Bürger über 50 Jahren erhielten dazu Informationsmaterial. Es erklärt die Symptome des Schlaganfalls wie halbseitige Lähmungen, Sprach- und Sehstörungen. Außerdem raten die Forscher darin ausdrücklich, bei Auftreten eines dieser Warnsignale sofort den Rettungsdienst zu alarmieren. Das Informationsmaterial wurde zwischen Februar und April 2004 verschickt und bestand aus Aufklärungsbriefen, Lesezeichen und Aufklebern.
Gleichzeitig gab es eine gleich große und gleichaltrige Kontrollgruppe, die keinerlei Informationsmaterial erhielt. Im Studienzeitraum von etwa eineinhalb Jahren erlitten 647 der aufgeklärten Studienteilnehmer und 741 aus der Kontrollgruppe einen Schlaganfall. Es zeigte sich, dass die Aufklärung bei den Frauen gewirkt hatte: Sie kamen deutlich schneller ins Krankenhaus als die Frauen aus der Kontrollgruppe. Bei den angeschriebenen Männern war das nicht der Fall.
Frauen im Allgemeinen besser informiert
Warum die Frauen für eine schriftliche Aufklärung zugänglicher sind als Männer, ist noch unklar. In früheren Studien konnte nachgewiesen werden, dass Frauen im Allgemeinen besser über Risikofaktoren und Anzeichen des Schlaganfalls informiert sind. Bisher führte dieses Wissen aber offenbar nicht dazu, dass sie auch schnell ins Krankenhaus gingen. „Frauen zögern vielleicht, wenn sie den Rettungsdienst verständigen müssten, weil sie niemandem zur Last fallen wollen“, sagt Nolte. „Durch die schriftliche Aufklärung und eindeutige Handlungsanweisung wurde diese Zurückhaltung vielleicht überwunden.“ In zukünftigen Studien gilt es nun zu ermitteln, wie auch die Männer richtig aufgeklärt werden können.
- Links:
- Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Archives of Internal Medicine veröffentlicht.



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