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Soziale Ursachen für Übergewicht
Zerfallende Familien machen Kinder dick
Kinder in Industriestaaten werden immer dicker und leiden schon früh an Folgekrankheiten ihres Übergewichts. Dass daran nicht nur Pommes und Cola schuld sind, zeigt jetzt eine Studie der Universität Stuttgart, die die sozialen Ursachen für Fettleibigkeit bei Kindern untersuchte.
Jederzeit verfügbar
Die Studie, die fünf Jahre lang lief, zeigt, dass dicke Kinder eine Folge unserer modernen Gesellschaft sind. Schuld an ihrem Übergewicht haben soziale und kulturelle Strukturen: zum einen bietet die deutsche Überflussgesellschaft optimale Voraussetzungen zum anderen bietet die Familie nicht mehr den nötigen Halt. Fettige und energiereiche Lebensmittel stehen auch Kindern jederzeit zur Verfügung. Lebendiges Beispiel sind die Schülerhorden, die sich jeden Mittag an Pommesbude und Burger King einfinden. Außerdem lässt sich der Alltag mit Bus, Aufzug und Rolltreppe ohne große Kraftanstrengung bewältigen.
Jeder isst, was er will
Unter diesen Voraussetzungen wirkt das familiäre Umfeld oft verschärfend: Kinder sind häufig sich selbst überlassen, gemeinsame Mahlzeiten sind die Ausnahme und das nötige Wissen über gesunde Ernährung wird nicht vermittelt. „In den betroffenen Familien isst jeder, salopp gesagt, wann, wo und was er will, und die Freizeitgestaltung folgt dem selben Muster“, sagt der Stuttgarter Sozialwissenschaftler Michael Zwick. Weil Computer und Spielkonsole für viele Kinder attraktiver als das Spielen im Freien sind, bleiben sie einfach zu Hause sitzen, wenn sie ihre Freizeit selbst bestimmen können.
Umfeld muss sich ändern
Abmagerungskuren sind in diesem das Übergewicht fördernden Umfeld wenig erfolgreich und die mühsam verlorenen Pfunde schnell wieder zugenommen. Vorsorgemaßnahmen, so die Forderung der Wissenschaftler, müssen deshalb an mehreren Punkten zugleich ansetzen. Unter anderem halten sie die bis heute umstrittene Ampel-Kennzeichnung von Lebensmitteln für sinnvoll. Auch Wohnviertel so umzugestalten, dass sie für Kinder attraktive Spielmöglichkeiten im Freien anbieten, sei sinnvoll. Wohnortnahe, kostenlose Sportplätze sind Mangelware und in jedem Haushof finden sich mehr Verbotsschilder als Klettergerüste. Nur wenn sich das Umfeld ändere, wird in Deutschland die Zahl der übergewichtigen Kinder wieder sinken, so das Fazit der Studie.



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