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Redaktion apotheken.de » Gesundheit und Politik » Gesundheitspolitik

SPD will IGeL-Geschäfte eindämmen


Bessere Patienten-Aufklärung gefordert


Ein immer größerer Teil des Einkommens vieler Ärzte beruht darauf, dass sie Patienten Therapien und Gesundheits-Checks anbieten, für die die Krankenkassen die Kosten nicht übernehmen. Unter den so genannten Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) gibt es einige sinnvolle Angebote, etwa in der Reisemedizin, bei der Mehrzahl ist der Nutzen für den Patienten nach Ansicht von Experten aber gering. Der Umsatz mit den IGeL wird in Deutschland auf 1 bis 1,5 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Unabhängige Befragungen, etwa des Wissenschaftlichen Instituts der Ortskrankenkassen (WIdO), bestätigen, wovor auch Patientenberatungsstellen immer deutlicher warnen: IGeL werden zunehmend systematisch und professionell angeboten und viele Patienten fühlen sich im Nachhinein überrumpelt. Zudem sind viele IGeL-Angebote in fast gleicher Form auch als Kassenleistungen verfügbar, was den Patienten oft verschwiegen wird. Die SPD im Bundestag will dieses Geschäft mit den von Kassenpatienten selbst bezahlten Zusatzleistungen jetzt eindämmen und setzt dabei vor allem auf mehr Aufklärung.

Sinnvolles Angebot oder fragwürdiges Geschäft?


„Das Ausmaß, in dem ein Teil der Ärzte ihren Patienten diese individuellen Gesundheitsleistungen aufdrängt, ist unanständig – vor allem bei bestimmten Facharztgruppen“, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Carola Reimann, der Braunschweiger Zeitung. „Da wird das Vertrauen der Patienten missbraucht.“ Am meisten Selbstzahlerleistungen führen laut Berechnung des WIDO die Frauenärzte durch, danach folgen Haut- und Augenärzte.

Nach den Vorstellungen der SPD-Fraktion müssten die Krankenkassen ihre Versicherten besser aufklären, worauf sie Anspruch haben – und was fragwürdige Leistungen sind. Die Kassen müssten zudem Beschwerden über aufgedrängte IGeL konsequenter aufgreifen.

IGeL sind im Einzelfall sinnvoll


Der GKV-Spitzenverband sieht den Vorstoß der SPD positiv. Eine zusätzliche Aufklärung könne helfen, den Geldbeutel der Versicherten zu schonen, hieß es.

Die Bundesärztekammer (BÄK) betonte, dass IGeL im Einzelfall sinnvolle Angebote seien. Fragwürdig sei es aber, wenn Patienten das Gefühl hätten, ihnen werde eine Leistung aufgedrängt, die sie nicht brauchen, so BÄK-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe in der Ärztezeitung. Patienten sollte daher Bedenkzeit eingeräumt werden. „Sie können in der Zwischenzeit Dritte um Rat fragen. Das kann auch die Krankenkasse sein."


08.07.2009 | Von: Dorothee Steeb