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Streit um Bio: gesünder oder nicht?
Öko-Produkte sind angeblich nicht gesünder als konventionelle
Wer Bio-Produkte kauft, um damit seine Gesundheit zu fördern, bekommt wenig Gegenwert für den deutlich höheren Preis. Denn zwischen Bio-Lebensmitteln und Produkten aus konventioneller Landwirtschaft gibt es wenig Unterschiede im Vitamin- und Mineralstoffgehalt. Das behaupten Wissenschaftler um Alan Dangour von der London School of Hygiene and Tropical Medicine. Zu ihrem Ergebnis kamen sie durch die systematischen Auswertung von 162 wissenschaftlichen Artikeln zum Thema aus den letzten 50 Jahren. Sie führten ihre Analyse im Auftrag der britischen Lebensmittelbehörde FSA durch.
Kaum Unterschiede im Nährstoffgehalt
Ökologisch oder konventionell, die Anbau- oder Wirtschaftsweise hat laut dem Team von Dangour keinen Einfluss auf die Menge gesundheitsförderlicher Inhaltsstoffe in den pflanzlichen und tierischen Produkten. Mit dieser Behauptung haben die Wissenschaftler in den letzten Tagen viel Medienresonanz erhalten. Der Gehalt an Vitamin C, Kalzium, Kalium, Eisen und einer ganzen Reihe weiterer Substanzen sei nahezu identisch. Der schädliche Stickstoff taucht in konventionell erzeugten Lebensmitteln aber in größerer Menge auf, da dort mineralischer Stickstoffdünger eingesetzt wird, in der Öko-Landwirtschaft jedoch nicht. Auf Bio-Produkten sind weniger Rückstände von Pestiziden und Düngern zu finden, ob das einen positiven Einfluss auf die Gesundheit hat, ist bislang jedoch ungeklärt. Öko-Produkte enthalten dafür etwas mehr Phosphor und manchmal mehr Säure, weil sie später geerntet werden, was zwar dem besseren Geschmack dient, aber keine Auswirkungen auf die Gesundheit hat.
Kritik und Widerspruch aus Fachkreisen
In der Frankfurter Rundschau kritisiert Urs Niggli, der Direktor vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau in der Schweiz, die britische Literaturstudie hart. Sie sei zwar transparent und seriös, lasse aber gerade jene Studien außer Acht, die sehr wohl einen gesundheitlichen Mehrwert von Bio-Lebensmitteln belegen. So etwa die von der EU finanzierte Qlif-Studie (Quality Low Input Food). Sie zeige, dass wer sich ständig ökologisch ernährt, 20 Prozent mehr Vitamine und wertvolle Antioxidantien aufnehme, sagte Niggli der FR. Auch sei nachgewiesen, dass die Niere weniger Pestizide abbauen muss. Forscher der britischen Universität Newcastle bewiesen letztes Jahr zudem, dass auf der Weide grasende Kühe von Biobauern gesündere Milch geben - mit viel mehr ungesättigten Fettsäuren, Vitaminen und Antioxidantien. Dass all das die Gesundheit wirklich fördere, sei nur deshalb nicht nachgewiesen, weil eine entsprechende Langzeitstudie bisher ausstehe, sagt Niggli.
Bio kann eine gute Alternative sein
Nicht zu vergessen ist, dass der Sinn von Bio nicht allein gesündere Lebensmittel sind. Bio ist auch gut für Umwelt und Tiere. Eine naturnahe Tierhaltung trägt zur Landschaftspflege und zum Tierschutz bei. Wer in Bayern spazieren geht, freut sich über grasende Kühe mehr, als über meilenweite Lege-Batterie-Anlagen. Der verringerte Einsatz von Antibiotika in der Bio-Produktion kann außerdem die Entwicklung von Arzneimittelresistenzen reduzieren (apotheken.de berichtete). Und so lange noch nicht klar ist, was Dünger und Pestizide in der Nahrung und im menschlichen Organismus bewirken, ist der Verbraucher diesbezüglich mit Bio-Lebensmitteln auf der sichereren Seite.
- Links:
- Ein Gespräch mit Alan Dangour von der London School of Hygiene and Tropical Medicine über die Ergebnisse der Studie ist als Podcast veröffentlicht (auf Englisch).
- Zum Bericht in der Frankfurter Rundschau.



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