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Redaktion apotheken.de » Gesund leben | Vorsorge » Forschung verstehen

Stress und Depressionen auf der Spur


Detektor für psychische Erkrankungen entwickelt


Stress, Depressionen und Burnout – psychische Erkrankungen wie diese haben sich zur Volkskrankheit entwickelt. Dennoch werden sie oft nicht erkannt, denn bis zu 90 Prozent der Betroffenen wissen nicht, dass ihre Beschwerden psychisch bedingt sind und wenden sich an ihre Hausärzte, die die wahren Ursachen häufig übersehen. Das will ein Forscherteam der Universität Trier jetzt ändern. Es hat ein Set entwickelt, das die Auslöser psychischer und psychosomatischer Beschwerden aufdeckt.

Projekt startet in Rheinland-Pfalz

Das Ergebnis von zehn Jahren Forschungsarbeit auf der Basis der Daten von mehr als 2.200 Patienten steckt in einem Karton der Größe eines Schul-Atlasses: 16 Röhrchen, eine Tablette, ein Mini-EKG, ein Fragebogen. Mehr braucht es nach Angaben der Forscher nicht, um psychischen Erkrankungen auf die Schliche zu kommen. Der Psychobiologe Prof. Dirk Hellhammer und sein Team haben eine Methode entwickelt, um die Ursachen psychischer Störungen frühzeitig aufzudecken, sodass Ärzte sie effektiv behandeln können. Das bereits getestete so genannte „Neuropattern-Verfahren“ kommt jetzt erstmals zum Einsatz. Patienten in Rheinland-Pfalz können es kostenfrei und weitgehend selbstständig anwenden. Auch bei der späteren Behandlung sollen sie aktiv mitarbeiten. Sie erhalten außerdem Zugang zu einem Online-Service mit individuellen Angeboten zur Selbsthilfe, die auch die oft langen Wartezeiten auf psychotherapeutische Behandlungen überbrücken sollen.

Speichelproben zuhause testen

„Unsere Methode misst biologische Signale und setzt sie in Beziehung zu psychischen und körperlichen Stressreaktionen. Unser Ziel ist es, sie zu diagnostizieren und dabei zu helfen, sie individuell zu behandeln“, sagt Hellhammer zum Verfahren. Über teilnehmende Hausärzte, die mögliche Ausschlusskriterien ihrer Patienten prüfen, können diese das Neuropattern-Set anfordern. Nach einer Einweisung führen Betroffene die Tests – überwiegend per Speichelproben – zu Hause durch. Die Ergebnisse dienen dem Arzt als Grundlage für die Therapie.


02.08.2010 | Von: Stefanie Grutsch